Wasserwirtschaft hilft, die Biodiversität zu erhalten • WASSER & ABWASSER

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Wasserwirtschaft hilft, die Biodiversität zu erhalten

Es ist ein alar­mie­ren­des Zei­chen, dass der welt­wei­te Ver­lust an Arten sich so dra­ma­tisch beschleu­nigt hat, wie der­zeit berich­tet wird. Die Mensch­heit sägt am Ast, auf dem sie sitzt. Viel­fäl­ti­ge Öko­sys­te­me erbrin­gen wich­ti­ge Leis­tun­gen, auch für den Men­schen. Das beginnt bei guter Luft, sau­be­rem, leben­di­gem Was­ser, umfasst aber auch ganz prak­ti­sche Aspek­te wie die Ent­de­ckung von Leit­struk­tu­ren für die Ent­wick­lung neu­er Medi­ka­men­te. Wich­ti­ge Bei­trä­ge zur Erhal­tung der Bio­di­ver­si­tät, zur Erhal­tung der Viel­falt an bio­lo­gi­schen Arten, leis­tet die Was­ser­wirt­schaft.“ So kom­men­tiert Prof. Dr. Uli Paet­zel, Prä­si­dent der Deut­schen Ver­ei­ni­gung für Was­ser­wirt­schaft, Abwas­ser und Abfall e. V. (DWA), den „Glo­ba­len Bericht zum Zustand der Natur“, der die­se Woche vom Welt­bio­di­ver­si­täts­rat ver­öf­fent­licht wur­de.

Biologische Vielfalt und Wasser – eine Einheit

Was­ser und bio­lo­gi­sche Viel­falt ste­hen weit oben auf der Lis­te der Lebens­grund­la­gen für den Men­schen wie für die Natur als Gan­zes und bil­den eine Ein­heit. Neben direk­tem wirt­schaft­li­chem Nut­zen ist die Viel­falt wich­tig als Res­sour­ce für zukünf­ti­ge Züch­tun­gen oder als Stand­ort­fak­tor für Nah­erho­lung und Tou­ris­mus. Mit dem Aus­ster­ben von Arten gibt es Ver­schie­bun­gen oder auch Aus­fäl­le in den Funk­tio­nen von Öko­sys­te­men. Es ist nicht vor­her­seh­bar, ob das Ver­schwin­den einer Art gro­ße oder klei­ne Ver­än­de­run­gen bewir­ken wür­de und wie stark die Kon­se­quen­zen für das gesam­te Sys­tem sind.

Natur liefert Vorbilder für Technik und schützt Menschen

Die Viel­falt der Natur ist Vor­bild für tech­ni­sche Inno­va­tio­nen und trägt zum Kli­ma­schutz bei. Arten­rei­che Lebens­räu­me sind wich­ti­ge Spei­cher für kli­mare­le­van­te Gase. Zahl­lo­se Pflan­zen­ar­ten sind medi­zi­nisch nütz­lich. Leis­tun­gen, die intak­te Öko­sys­te­me erbrin­gen, sind Kli­ma-, Hoch­was­ser-, Ero­si­ons-, Lawi­nen- oder Lärm­schutz.

Bin­nen­ge­wäs­ser gehö­ren zu den arten­reichs­ten Lebens­räu­men der Erde. Doch Flüs­se und Seen sind beson­ders von dem rasan­ten Rück­gang der bio­lo­gi­schen Viel­falt betrof­fen. Einen guten öko­lo­gi­schen wie che­mi­schen Zustand der Gewäs­ser zu errei­chen, ist ein Kern­ziel der euro­päi­schen Was­ser­rah­men­richt­li­nie. Bio­di­ver­si­tät spielt dabei eine grund­le­gen­de Rol­le. Fach­ge­rech­te Gewäs­ser­re­na­tu­rie­run­gen sichern aqua­ti­schen Lebens­ge­mein­schaf­ten eine intak­te Umge­bung. Intak­te Gewäs­ser­rand­strei­fen haben eine enor­me Schutz­funk­ti­on. Sie kön­nen eine wirk­sa­me Bar­rie­re gegen den Ein­trag von Nähr­stof­fen und Pflan­zen­schutz­mit­teln in Gewäs­ser sein.

Anleitungen für eine fachgerechte Wasserwirtschaft

Der Ver­ein fasst den Wis­sens­stand der Was­ser­wirt­schaft in viel­fäl­ti­gen Regel­wer­ken und Mate­ria­li­en zusam­men, die eine Anlei­tung für eine fach­ge­rech­te Was­ser­wirt­schaft bil­den und so auch hel­fen, die Bio­di­ver­si­tät zu erhal­ten. Zu den genann­ten Gewäs­ser­rand­strei­fen gibt die DWA in ihrem Regel­werk Hin­wei­se zu Grund­la­gen, Funk­tio­nen und Gestal­tung. Ein ande­res was­ser­wirt­schaft­li­ches The­ma im Zusam­men­hang mit Bio­di­ver­si­tät sind Neo­bio­ta (gebiets­frem­de Tier- und Pflan­zen­ar­ten); hier beschreibt die DWA Aus­wir­kun­gen des Ein­drin­gens frem­der Arten und gibt Anlei­tun­gen zum Umgang mit ihnen. Wenn es um die Natür­lich­keit von Flüs­sen geht, spie­len in man­chen Fäl­len zum Bei­spiel Biber eine bedeu­ten­de Rol­le; auch hier­zu haben die ehren­amt­lich für die DWA täti­gen Fach­leu­te ein Merk­blatt ver­fasst. Wer die Bio­di­ver­si­tät in Gewäs­sern för­dern will, soll­te auch inge­nieur­bio­lo­gi­sche Bau­wei­sen in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zie­hen – auch die­se sind Gegen­stand eines Merk­blatts der DWA. Eine ande­re Fra­ge, die sich häu­fig stellt, ist die Gestal­tung und Nut­zung von Bag­ger­se­en, denn die­se kön­nen sich, wenn rich­tig geplant wird, zu „Hot­spots der Bio­di­ver­si­tät“ ent­wi­ckeln, wie die DWA in ihrem Regel­werk dar­legt. Hier­mit eng ver­bun­den ist die Frei­zeit­nut­zung von Gewäs­sern; ein Merk­blatt gibt Hin­wei­se zur Pla­nung und Gestal­tung. Wei­te­re The­men, die die DWA in ihrer Arbeit im Zusam­men­hang mit Bio­di­ver­si­tät auf­greift, sind zum Bei­spiel Alt­ge­wäs­ser, Mar­schen­grä­ben Feucht­ge­bie­te, Wald­be­wirt­schaf­tung, Dei­che, Sedi­men­te in Fließ­ge­wäs­sern, Ufer. Die­se Aus­wahl ver­deut­licht, dass die Was­ser­wirt­schaft viel­fäl­ti­ge und unmit­tel­ba­re Bei­trä­ge zur Erhal­tung der Bio­di­ver­si­tät lie­fert.