Wasserqualität von Küstengewässer • WASSER & ABWASSER

Dr. Rhena Schumann beobachtet vom Steg aus die Wassertrübung des Boddens und nimmt Proben. Bild: Universität Rostock/Lisa RönspieDr. Rhena Schumann beobachtet vom Steg aus die Wassertrübung des Boddens und nimmt Proben. (Bild: Universität Rostock/Lisa Rönspieß
Wasserqualität von Küstengewässer

Die Bio­lo­gi­sche Sta­ti­on Zingst der Uni­ver­si­tät Ros­tock unter­sucht seit 1977 die Was­ser­qua­li­tät der Darß-Zings­ter Bod­den­ket­te, nach­dem Ros­to­cker Bio­lo­gen bereits 1969 ein auch auf Lang­zeit­un­ter­su­chun­gen aus­ge­leg­tes Mess­pro­gramm zu Flo­ra und Fau­na im Bod­den star­te­ten. Die Sta­ti­on ist Mess­sta­ti­on im Bund-Län­der-Mess­pro­gramm und über­wacht ins­be­son­de­re die Nähr­stoff­be­las­tun­gen aus der Land­wirt­schaft. Die­se Lang­zeit­mes­sun­gen erlau­ben auch auf­grund der beson­de­ren Beschaf­fen­heit des Bod­dens Rück­schlüs­se auf die Ver­än­de­rung der Was­ser­qua­li­tät ande­rer Küs­ten­ge­wäs­ser.

Die lan­ge Tro­cken­heit und Hit­ze seit dem Früh­jahr 2018 macht den For­schern der Bio­lo­gi­schen Sta­ti­on Zingst der Uni­ver­si­tät Ros­tock Sor­gen. „Der Bod­den, in dem Salz­was­ser aus der Ost­see und Süß­was­ser aus den Flüs­sen wie der Reck­nitz, Bar­t­he und unzäh­li­gen Bächen zu soge­nann­tem Brack­was­ser zusam­men­flie­ßen, wird auf­grund der gerin­gen Was­ser­tie­fe auch noch über­durch­schnitt­lich erwärmt“, sagt Dr. Rhena Schu­mann, die Lei­te­rin der Bio­lo­gi­schen Sta­ti­on. „Im letz­ten Jahr haben wir erst­mals im tie­fen Was­ser weni­ger als 70 Pro­zent Sauer­stoff­sät­ti­gung nach­ge­wie­sen“. Dass sei zwar noch nicht besorg­nis­er­re­gend, dür­fe sich aber nicht wei­ter ver­schlech­tern. Um die Was­ser­qua­li­tät des Bod­den und deren Ein­fluss­fak­to­ren bestän­dig zu unter­su­chen, hat die Wis­sen­schaft­le­rin Leh­re und For­schung vor Ort eng ver­zahnt.

Die Bio­lo­gi­sche Sta­ti­on Zingst, direkt am Bod­den gele­gen, ist seit 42 Jah­ren ein spe­zi­el­ler Mikro­kos­mos von For­schung und Leh­re. Vor­ran­gig wur­de die­se Sta­ti­on für die Aus­bil­dung von Stu­den­ten erbaut – aus uni­ver­si­tä­ren Mit­teln und mit viel Enga­ge­ment der dama­li­gen Mit­glie­der der Sek­ti­on Bio­lo­gie. Sie ver­fügt heu­te über hoch moder­ne Labor­ge­rä­te, dabei ist es eng, rus­ti­kal, ja idyl­lisch. Man kön­ne sich nicht aus dem Weg gehen. Das sei­en Bedin­gun­gen wie auf einem Schiff, beson­ders, wenn dort bis zu zwölf Stu­die­ren­de in win­zi­gen Räu­men in die sehr spe­zi­el­le For­schung ein­ge­führt wer­den. Es ist unglaub­lich anstren­gend, aber immer auch pro­duk­tiv und lehr­reich, sagt Rhena Schu­mann. Sie kommt ins Schwär­men, wenn sie über ihre Arbeit und das Öko­sys­tem Bod­den spricht. „Die etwa 50 Kilo­me­ter lan­ge Bod­den­ket­te ist ein aus­ge­zeich­ne­ter Expe­ri­men­tier-Platz“. Der Bod­den besteht aus vier ein­zel­nen Becken. Es gibt hier über­all das glei­che Wet­ter. Aber die Nähr­stoff­ein­trä­ge sind von innen nach außen abge­stuft, genau defi­nier­te Bedin­gun­gen wie in einem Expe­ri­ment. „Unter den glei­chen äuße­ren Fak­to­ren kön­nen wir unter­su­chen, wie Nähr­stoff­ein­trä­ge aus dem Hin­ter­land die Küs­ten­ge­wäs­ser beein­flus­sen“, erklärt die Wis­sen­schaft­le­rin.

Die Bio­lo­gi­sche Sta­ti­on Zingst ist seit ihrer Eröff­nung 1977 ins­be­son­de­re mit Dau­er­mes­sun­gen zur Gewäs­ser­über­wa­chung befasst. Über die Jahr­zehn­te wur­den so in ein­ma­li­ger Wei­se umfas­sen­de und zeit­lich hoch auf­ge­lös­te Daten­sät­ze zum öko­lo­gi­schen Zustand der Darß-Zings­ter-Bod­den­ket­te erho­ben, die Umwelt­ver­än­de­run­gen wie die Nähr­stoff­zu­fuhr doku­men­tie­ren.

Zur Ver­fü­gung steht den drei Mit­ar­bei­tern der Sta­ti­on ein For­schungs­schiff. So wer­den täg­lich, sie­ben Tage die Woche, im Win­ter um 8 Uhr, im Som­mer um 9 Uhr, Was­ser­pro­ben aus dem Zings­ter Strom ent­nom­men. Zudem wird auf dem Hof der Bio­lo­gi­schen Sta­ti­on Regen­was­ser auf­ge­fan­gen und ana­ly­siert. Gemes­sen wer­den sol­che Para­me­ter, wie Sauer­stoff­sät­ti­gung. Für die Nähr­stoff-Unter­su­chung wird ein Fil­trat her­ge­stellt. Unter­sucht wird auch die Bio­mas­se des Phy­to­plank­tons, also der klei­nen Algen, die die star­ke Trü­bung des Bod­den­was­sers ver­ur­sa­chen. Die wird seit Mit­te der 70er Jah­ren beklagt. So erfolgt Tag für Tag die Klas­si­fi­zie­rung und Bewer­tung des Gewäs­sers. Gemein­sam mit dem Lan­des­amt für Umwelt, Natur­schutz und Geo­lo­gie (LUNG) wer­den die Pro­ben bewer­tet. Durch die zuver­läs­si­ge Lang­zeit­er­he­bung der Daten hat es die Bio­lo­gi­sche Sta­ti­on geschafft, in die Euro­päi­sche Ent­wick­lung von For­schungs­struk­tu­ren auf­ge­nom­men zu wer­den.
Denn, wie Rhena Schu­mann sagt, alle „Para­me­ter des Was­sers ver­än­dern sich schnell.“ Des­halb wer­de täg­lich gemes­sen, um lang­fris­tig Aus­sa­gen über die Beschaf­fen­heit der Was­ser­qua­li­tät tref­fen zu kön­nen.

Es gibt ers­te Anzei­chen, dass sich die Was­ser­qua­li­tät ver­bes­sert“, sagt Rhena Schu­mann. Das betref­fe aber lei­der nicht die Trü­bung des Was­sers. Dafür sind die Algen ver­ant­wort­lich, die sich durch Nähr­stoff­zu­füh­rung durch­ge­setzt haben. „Nicht­des­to­trotz gedei­hen in dem Gewäs­ser Fische, wie Zan­der, Bar­sche und Hech­te bes­tens“, sagt Rhena Schu­mann. Zuneh­mend gebe es erfreu­li­cher­wei­se wie­der Unter­was­ser-Vege­ta­ti­on wie bei­spiels­wei­se Arm­leuch­ter-Algen. Das ver­bes­ser­te Gül­le-Manage­ment mache sich bemerk­bar. „Die Phos­phat-Gehal­te ver­rin­ger­ten sich deut­lich“.

Die Bio­lo­gi­sche Sta­ti­on Zingst ist über meh­re­re Wege eng mit dem Leib­niz-Wis­sen­schaft­s­Cam­pus (LWC) Phos­phor­for­schung Ros­tock ver­bun­den. Hier wer­den täg­lich die Phos­phor­ein­trä­ge aus Regen und Staub gemes­sen und mit den Kol­le­gen des Insti­tuts für Ost­see­for­schung War­ne­mün­de (IOW) aus­ge­wer­tet. Die Ros­to­cker Außen­stel­le der Uni­ver­si­tät in Zingst bear­bei­tet unter ande­rem Pro­jek­te des Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­ri­ums, der Euro­päi­schen Uni­on, der Deut­sche Bun­des­stif­tung Umwelt und des Lan­des­am­tes für Umwelt, Natur­schutz und Geo­lo­gie. Dabei geht es immer um Fra­gen der Öko­lo­gie und des aktu­el­len Zustan­des der Darß-Zings­ter Bod­den­ket­te sowie der Küs­ten. Seit vie­len Jah­ren ist Zingst auch Mess­sta­ti­on im Bund-Län­der-Mess­pro­gramm und Unter­su­chungs­ge­biet der LTER (Long Term Eco­lo­gi­cal Rese­arch), da die Uni­ver­si­tät Ros­tock über 50 Jah­re zeit­lich hoch auf­ge­lös­te Lang­zeit­da­ten zum Zustand der Bod­den­ket­te ver­fügt. Doku­men­tiert ist so bei­spiels­wei­se die Gewäs­ser­ver­schlech­te­rung in den 70er- und 80er-Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts durch Nähr­stoff­be­las­tun­gen aus der Land­wirt­schaft.

Text: Wolf­gang Thiel