Schulterschluss für zukünftig gesicherte Wasserversorgung • WASSER & ABWASSER

Gewässer Wasser Abwasser Technik W&A Fließgewässer
Schulterschluss für zukünftig gesicherte Wasserversorgung

Die Ver­sor­gung mit erst­klas­si­gem Trink­was­ser wird in Deutsch­land als Selbst­ver­ständ­lich­keit wahr­ge­nom­men. Kaum öffent­lich the­ma­ti­siert wer­den des­halb die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels, der inten­si­ven Agrar­wirt­schaft oder des demo­gra­phi­schen Wan­dels auf die Ver­sor­gung mit dem Lebens­mit­tel Nr. 1. Dür­re, stei­gen­de Arz­nei­mit­tel­ein­trä­ge, Nitrat­ver­schmut­zung und eine zuneh­men­de Sprei­zung der Was­ser­be­dar­fe stel­len die rund 6.000 Was­ser­ver­sor­ger in Deutsch­land jedoch vor enor­me Her­aus­for­de­run­gen.

Um die Was­ser­ver­sor­gung auch zukunfts­fest aus­zu­rich­ten, müs­sen poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger, Ver­brau­cher und ande­re Wirt­schafts­ak­teu­re künf­tig stär­ker an einem Strang zie­hen“, for­dert der DVGW-Vor­stands­vor­sit­zen­de Prof. Dr. Gerald Lin­ke zum Auf­takt des Was­ser-Impul­ses heu­te in Ber­lin. Auf der breit ange­leg­ten Dia­log­ver­an­stal­tung erör­tern Exper­ten aus Bun­des­tag, Minis­te­ri­en, Ver­wal­tung, Ver­bän­den und ande­ren gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen, wie der Wert der Trink­was­ser­ver­sor­gung in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung gestei­gert und die recht­li­chen sowie ord­nungs­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen die­ser ele­men­ta­ren Daseins­vor­sor­ge ver­bes­sert wer­den kön­nen.

Der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um, Flo­ri­an Pro­nold, MdB, appel­liert in sei­ner Key­note: „Was­ser ist eine wich­ti­ge Lebens­grund­la­ge. Wir müs­sen die­ses unent­behr­li­che Gut jetzt wirk­sam schüt­zen, sonst wer­den die Wei­chen in Zukunft falsch gestellt.“

Was­ser­recht­li­che Dau­er­bren­ner, bei denen drin­gen­der Hand­lungs­be­darf besteht, sind zum einen das Dün­ge­recht. Die natio­na­len Vor­schrif­ten zum Schutz der Gewäs­ser vor zu hohen Nitrat­ein­trä­gen sind nach wie vor unzu­rei­chend. „Gut ist, dass die Dün­ge­ver­ord­nung im Zuge einer Neu­aus­rich­tung der Agrar­po­li­tik nun end­lich nach­ge­bes­sert wird. Die allei­ni­ge Fest­le­gung von Nitratober­gren­zen reicht aber nicht aus. Es bedarf kla­rer und strik­ter Sank­tio­nen bei Nicht­be­ach­tung“, for­dert Lin­ke.

Zum ande­ren müs­sen im Was­ser­haus­halts­ge­setz die vor­ran­gi­gen Nut­zungs­an­sprü­che der Was­ser­ver­sor­gung wie­der auf­ge­nom­men wer­den. „Vor­hal­te­ge­bie­te für die öffent­li­che Was­ser­ver­sor­gung müs­sen zum Grund­prin­zip erklärt und in den Raum­ord­nungs­plä­nen vor­ran­gig berück­sich­tigt wer­den“, erklärt Lin­ke ange­sichts der wach­sen­den Kon­kur­renz der Was­ser­ver­sor­gung zu ande­ren Nut­zun­gen, bei­spiels­wei­se aus der Land­wirt­schaft oder Indus­trie.

Denn Was­ser­ver­sor­ger sind auch ange­sichts der sich häu­fen­den Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se dar­auf ange­wie­sen, Was­ser­vor­kom­men fle­xi­bel zu nut­zen. Ist das nicht der Fall, kön­nen ver­stärkt Ver­un­rei­ni­gun­gen auf­tre­ten, die einen erhöh­ten Auf­be­rei­tungs­auf­wand bedeu­ten. Dies gilt auch für men­schen­ge­mach­te Schad­stoff­ein­trä­ge, die bei­spiels­wei­se mit dem erhöh­ten Medi­ka­men­ten­ge­brauch einer altern­den Bevöl­ke­rung oder dem Kon­sum neu­ar­ti­ger Life­style- und Kos­me­tik­pro­duk­te ein­her gehen. Die Her­stel­ler als Ver­ur­sa­cher leis­ten meist kei­nen Bei­trag zur Ver­mei­dung der Ver­un­rei­ni­gung der Roh­wäs­ser. „Sie müs­sen jedoch für die Umwelt­aus­wir­kun­gen ihrer Pro­duk­te ver­ant­wort­lich gemacht wer­den und die Kos­ten für die Besei­ti­gung von Ver­un­rei­ni­gun­gen über­neh­men“, betont Lin­ke.

In den kom­men­den Mona­ten wird der DVGW in Exper­ten­fo­ren den offe­nen Dia­log fort­set­zen und dabei die Sicht­wei­se ver­schie­dens­ter Akteu­re, zum Bei­spiel aus der Agrar­wirt­schaft, Phar­ma­bran­che oder IT-Sicher­heit, mit ein­be­zie­hen. Ziel ist es, wirk­sa­me Maß­nah­men zu ent­wi­ckeln, die der Trink­was­ser­ver­sor­gung eine lang­fris­ti­ge Sicher­heit und Per­spek­ti­ve ver­schaf­fen.