Rettungsplan für das Weltmeer • WASSER & ABWASSER

Gewässer Wasser Abwasser Technik W&A Fließgewässer
Rettungsplan für das Weltmeer

Ein umfas­sen­des Hoch­see­ab­kom­men mit groß­flä­chi­gen Schutz­ge­bie­ten im Oze­an zäh­len zu den Maß­nah­men, die inner­halb des nächs­ten Jahr­zehnts umzu­set­zen sind, um die lebens­er­hal­ten­de Funk­ti­on der Ozea­ne zu bewah­ren. Dies ist die Emp­feh­lung einer aktu­el­len Stu­die, die unter Betei­li­gung von Wis­sen­schaft­ler Tors­ten Thie­le ent­stand, der am Insti­tut für trans­for­ma­ti­ve Nach­hal­tig­keits­for­schung (IASS) im Team Oce­an Gover­nan­ce arbei­tet.

Es besteht schnel­ler Hand­lungs­be­darf, denn es meh­ren sich die Anzei­chen von Ver­än­de­run­gen der Ozea­ne, die rascher auf­tre­ten als dies selbst jün­ge­re Model­le pro­gnos­ti­ziert haben“, sagt Mit­au­tor Thie­le vom IASS, der zu den Exper­ten des Inter­na­tio­na­len Pro­gramms zum Zustand der Ozea­ne (IPSO) zählt.

Folgende Veränderungen seien laut der internationalen Expertengruppe von IPSO besonders gefährlich

  • Die Ozea­ne erwär­men sich schnel­ler als Schät­zun­gen eines Gre­mi­ums der Ver­ein­ten Natio­nen vor fünf Jah­ren annah­men: durch­schnitt­lich um 40 Pro­zent schnel­ler.
  • Die Erwär­mung der obe­ren Oze­an­schich­ten ver­än­dert welt­weit die Wel­len­be­din­gun­gen: die Wel­len wer­den ver­stärkt.
  • Ozea­ne set­zen all­mäh­lich einen Teil der gespei­cher­ten Wär­me­en­er­gie frei, was in den kom­men­den Jah­ren welt­weit zu einem erheb­li­chen Tem­pe­ra­tur­an­stieg bei­tra­gen könn­te.
  • Der sin­ken­de Sauer­stoff­ge­halt der Ozea­ne führt dazu, dass in Kom­bi­na­ti­on mit che­mi­schen Schad­stof­fen wei­te Gebie­te für Lebe­we­sen unbe­wohn­bar wer­den.
  • Das ark­ti­sche und ant­ark­ti­sche Eis schmilzt schnel­ler als von Wis­sen­schaft­lern pro­gnos­ti­ziert. Der dar­aus fol­gen­de Anstieg des Mee­res­spie­gels hat kata­stro­pha­le Fol­gen für Städ­te welt­weit.

Obers­te Prio­ri­tät hat daher die kon­se­quen­te Bekämp­fung der glo­ba­len Erd­er­wär­mung und die Begren­zung des Anstiegs der Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur auf 1,5 Grad Cel­si­us bis 2100“, sagt Wis­sen­schaft­ler Thie­le – „und es soll­ten jedoch zusätz­li­che Maß­nah­men ergrif­fen wer­den, um auf einen Tem­pe­ra­tur­an­stieg von zwei bis drei Grad Cel­si­us vor­be­rei­tet zu sein.“

Das mul­ti­dis­zi­pli­nä­re Team, bestehend aus Mee­res­for­schern und Exper­ten aus den Berei­chen Recht, Poli­tik und Finan­zen, über­prüf­te die Ergeb­nis­se von 131 wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten, um sowohl die auf­tre­ten­den Ver­än­de­run­gen als auch die Fol­gen der Untä­tig­keit zu bewer­ten.

Die heu­te und aus der Ana­ly­se her­vor­ge­gan­ge­ne Bewer­tung geht davon aus, dass die Ver­ar­mung der Nah­rungs­ket­ten in den Mee­ren, die ver­min­der­te Kapa­zi­tät zur Ein­la­ge­rung von Koh­len­stoff, der sin­ken­de Sauer­stoff­ge­halt und das Risi­ko, dass die gespei­cher­te Wär­me wie­der an die Erd­at­mo­sphä­re abge­ge­ben wird, zu den Fol­ge­pro­ble­me der Ver­än­de­run­gen zäh­len, die ent­we­der bereits auf­ge­tre­ten sind oder nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen auf­tre­ten kön­nen, weil die Welt­mee­re auf­grund der mensch­li­che Akti­vi­tä­ten unter einer Art Dau­er­be­schuss ste­hen.

Die IPSO-Publi­ka­ti­on in „Aqua­tic Con­ser­va­ti­on“ nennt die Schwer­punkt­maß­nah­men, die zeit­gleich umge­setzt wer­den müs­sen, um die Worst-Case-Sze­na­ri­en und mög­li­cher­wei­se irrever­si­ble Ver­än­de­run­gen der Ozea­ne abzu­wen­den. Dazu gehört ins­be­son­de­re auch ein ange­mes­se­ner Finan­zie­rungs­me­cha­nis­mus zum Schutz der Ozea­ne.

Weitere dringliche Sofortmaßnahmen

  • Abschluss eines belast­ba­ren und umfas­sen­den Schutz­ab­kom­mens für die Hohe See mit Ver­trags­staa­ten­kon­fe­renz und wis­sen­schaft­li­chem Aus­schuss. Zudem refor­mier­te Stimm­rech­te für Orga­ni­sa­tio­nen wie die Inter­na­tio­na­le Mee­res­bo­den­be­hör­de, um zu ver­hin­dern, dass das Vor­sor­ge­prin­zip von Ein­zel­in­ter­es­sen unter­gra­ben wird.
  • Durch­set­zung bestehen­der Stan­dards für wirk­sa­me Mee­res­schutz­ge­bie­te (MPAs), ins­be­son­de­re für voll­stän­dig geschütz­te Mee­res­schutz­zo­nen sowie deren Aus­wei­tung auf min­des­tens 30 Pro­zent der Oze­an­flä­che. Gleich­zei­ti­ge Gewähr­leis­tung einer effek­ti­ven Bewirt­schaf­tung für die rest­li­che Oze­an­flä­che.
  • Been­dung der Über­fi­schung und zer­stö­re­ri­scher Prak­ti­ken, ein­schließ­lich ille­ga­ler, nicht gemel­de­ter und nicht regu­lier­ter Fische­rei.
  • Dras­ti­sche Redu­zie­rung der Ver­schmut­zung der Mee­res­ge­wäs­ser, ein­schließ­lich Stick­stoff­dün­ger, Abwas­ser und Plas­tik.
  • Vor Beginn jeg­li­chen Tief­see­berg­baus eine Gedenk­pau­se, um aus­rei­chen­des Wis­sen zu sam­meln und nach­hal­ti­ges Manage­ment zu ermög­li­chen.
  • Stei­ge­rung der Mee­res­for­schung und Erhö­hung der Zugäng­lich­keit von Daten aller Quel­len von Wis­sen­schaft über Regie­rung bis Indus­trie. For­schungs­fo­kus soll­te ein bes­se­res Ver­ständ­nis der Wär­me­auf­nah­me und -abga­be der Mee­re an die Atmo­sphä­re sein. Die von der UNO aus­ge­ru­fe­ne Inter­na­tio­na­le Deka­de der Mee­res­for­schung für Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung ab 2021 wäre die Gele­gen­heit, um dies zu for­cie­ren.