Qualifikation von Personal an Talsperren und Stauanlagen • WASSER & ABWASSER

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Qualifikation von Personal an Talsperren und Stauanlagen

Die Deut­sche Ver­ei­ni­gung für Was­ser­wirt­schaft, Abwas­ser und Abfall e. V. (DWA) hat das Merk­blatt M 1003 „Anfor­de­run­gen an die Qua­li­fi­ka­ti­on von Per­so­nal an Tal­sper­ren und ande­ren gro­ßen Stau­an­la­gen“ ver­öf­fent­licht.

Die Pla­nung und Rea­li­sie­rung einer ange­mes­se­nen Per­so­nal­struk­tur zur Unter­stüt­zung der Umset­zung gesetz­li­cher, tech­ni­scher und wirt­schaft­li­cher Rege­lun­gen ist eine der wich­tigs­ten Füh­rungs­auf­ga­ben. Dies gilt auch für die Betrei­ber von Stau­an­la­gen wegen der beson­de­ren Bedeu­tung und des Gefähr­dungs­po­ten­zi­als der­ar­ti­ger Anla­gen. Das Ziel des Stau­an­la­gen­be­trei­bers ist es, sich hin­sicht­lich der Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen an das Per­so­nal und der Orga­ni­sa­ti­on hand­lungs- und rechts­si­cher auf­zu­stel­len.

Bereits im Jahr 1995 erschien in den DVWK-Nach­rich­ten Nr. 141 eine Ver­öf­fent­li­chung zum The­ma „Anfor­de­rungs­pro­fil an die Qua­li­fi­ka­ti­on von Tal­sper­ren­wär­tern“. Dar­auf auf­bau­end wur­de auf­grund zwi­schen­zeit­lich ein­ge­tre­te­ner Ver­än­de­run­gen der recht­li­chen und organisatorischen/technischen Rah­men­be­din­gun­gen eine Aktua­li­sie­rung erfor­der­lich und die Über­füh­rung in das Regel­werk als Merk­blatt M 1003 vor­ge­nom­men.

Im Merk­blatt M 1002 „Anfor­de­rung an die Qua­li­fi­ka­ti­on und die Orga­ni­sa­ti­on von Betrei­bern von Tal­sper­ren und ande­ren gro­ßen Stau­an­la­gen“ wird für den Betrieb von Stau­an­la­gen der Ein­satz von qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal gefor­dert. Es wird dabei unter­schie­den zwi­schen der tech­ni­schen Füh­rungs­kraft und dem tech­ni­schen Fach­per­so­nal. Wäh­rend die Anfor­de­run­gen an die Tech­ni­sche Füh­rungs­kraft bereits in dem oben auf­ge­führ­ten Merk­blatt M 1002 wei­test­ge­hend klar umschrie­ben sind, ist für das tech­ni­sche Fach­per­so­nal eine Dif­fe­ren­zie­rung hin­sicht­lich der Qua­li­fi­ka­ti­on erfor­der­lich. Anfor­de­rungs­pro­fi­le, die die erfor­der­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on des Per­so­nals für die ein­zel­nen stau­an­la­gen­spe­zi­fi­schen Auf­ga­ben auf­zei­gen, die­nen dazu als Grund­la­ge. Dar­aus resul­tiert eine stau­an­la­gen­spe­zi­fi­sche Qua­li­fi­ka­ti­on, also eine Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on, die für tech­ni­sches Fach­per­so­nal an Stau­an­la­gen unab­ding­bar ist.

Trotz der Ein­zig­ar­tig­keit jeder Stau­an­la­ge, der ver­schie­de­nen Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren der Betrei­ber und den betrei­ber­spe­zi­fi­schen Funk­ti­ons­be­zeich­nun­gen für das Per­so­nal, sind die jewei­li­gen Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veaus und Hier­ar­chie­ebe­nen ver­gleich­bar. Der an Stau­an­la­gen erfor­der­li­che Qua­li­fi­ka­ti­ons- und Hand­lungs­rah­men für das ein­zu­set­zen­de Per­so­nal ergibt sich durch die jewei­li­gen Auf­ga­ben- und Tätig­keits­fel­der. Die­se sind an Stau­an­la­gen viel­fäl­tig, unter ande­rem abhän­gig von Art, Nut­zung und Grö­ße der Stau­an­la­ge.

Die im Regel­werk gefor­der­te Qua­li­fi­zie­rung des Stau­an­la­gen­per­so­nals wird im Rah­men die­ses Merk­blatts als „Fach­kun­de Stau­an­la­gen“ bezeich­net und inhalt­lich kon­kre­ti­siert. Es wer­den Hin­wei­se gege­ben auf die erfor­der­li­che Berufs­aus­bil­dung und die Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on als Min­dest­an­for­de­rung für den Ein­satz im Stau­an­la­gen­be­reich. Außer­dem ent­hält die­ses Merk­blatt einen Rah­men­plan über die erfor­der­li­chen Inhal­te zum Erwerb der Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on „Fach­kun­de Stau­an­la­gen“ und gibt somit die Basis der zu ver­mit­teln­den Kom­pe­ten­zen vor.

Im vor­lie­gen­den Merk­blatt wird eine Ver­ein­heit­li­chung der Bezeich­nun­gen vor­ge­nom­men und gleich­zei­tig ein Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­men für das tech­ni­sche Fach­per­so­nal an Stau­an­la­gen zur Ver­fü­gung gestellt. Je nach bereits erlern­ten Vor­kennt­nis­sen im Aus­bil­dungs­be­ruf oder auch im Stu­di­um sind die erfor­der­li­chen The­men zur Erlan­gung der Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on „Fach­kun­de Stau­an­la­gen“ indi­vi­du­ell anzu­pas­sen und zu schu­len. The­men­fel­der zur Erlan­gung der „Fach­kun­de Stau­an­la­gen“ unter Berück­sich­ti­gung des Aus­bil­dungs­stands, der Tätig­kei­ten an den Stau­an­la­gen und des Bil­dungs­ni­veaus der Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen wer­den beschrie­ben. Die Benen­nung kon­kre­ter Lern­in­hal­te und -zei­ten ist jedoch nicht Ziel des Merk­blatts.

In Anleh­nung an das Merk­blatt M 1002 wur­de auch die­ses Merk­blatt auf Tal­sper­ren (DIN 19700 Tei­le 10 und 11) zuge­schnit­ten. Sei­ne Anwen­dung ins­be­son­de­re für Tal­sper­ren der Klas­se I gemäß DIN 19700-11 wird emp­foh­len. Eine Anwen­dung des Merk­blatts auch für ande­re Stau­an­la­gen als Tal­sper­ren, wie Hoch­was­ser­rück­hal­te­be­cken (DIN 19700-12), Stau­stu­fen (DIN 19700-13), Pump­spei­cher­be­cken (DIN 19700-14) oder Sedi­men­ta­ti­ons­be­cken (DIN 19700-15) ist mög­lich. Der jewei­li­gen Stau­an­la­gen­art geschul­de­te Eigen- und Beson­der­hei­ten sind bei der Über­prü­fung und Beur­tei­lung der Anfor­de­run­gen ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen.

Eine sinn­ge­mä­ße Anwen­dung auch für Stau­an­la­gen all­ge­mein sowie für klei­ne Stau­an­la­gen ist mög­lich. In die­sem Zusam­men­hang sei auch das Merk­blatt M 522 „Klei­ne Tal­sper­ren und klei­ne Hoch­was­ser­rück­hal­te­be­cken“ erwähnt, wel­ches eben­so die Qua­li­fi­zie­rung des ver­ant­wort­li­chen Per­so­nals for­dert.

Das Merk­blatt wur­de von der Arbeits­grup­pe WW-4.8 „Betrieb und Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren gro­ßer Stau­an­la­gen“ (Spre­che­rin: Dipl.-Ing. Ant­je Nie­lin­ger-Teu­ber) im Fach­aus­schuss WW-4 „Fluss- und Tal­sper­ren“ erar­bei­tet und rich­tet ins­be­son­de­re an Eigen­tü­mer und Betrei­ber der Anla­gen.