Nachhaltiges Wirtschaften mit Wasserkraft • WASSER & ABWASSER

PK zum Beginn der Metalltarifrunde 2016 im Haus der Bayerischen Wirtschaft Muenchen mit Bertram Brossardt (Foto), vbw-Hauptgeschaeftsfuehrer Foto: Hans-Rudolf Schulz
Nachhaltiges Wirtschaften mit Wasserkraft

Auf der Jahreshauptversammlung der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) e.V. am 19. November 2021 haben die Teilnehmer, darunter Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., die Bedeutung der Wasserkraft für die sichere Stromversorgung mit regenerativen Energien und den Klimaschutz unterstrichen. Brossardt referierte, ebenso wie Werner Kröger vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung. Aufgrund der Pandemie fand die Veranstaltung als Videokonferenz statt.

„Wir freuen uns über die hochkarätigen Gäste auf unserer Jahreshauptversammlung. Dies spiegelt die Bedeutung der Stromerzeugung aus Wasserkraft für die Energieversorgung im Freistaat wider.“

–  Fritz Schweiger, Vorsitzender

Bertram Brossardt beschäftigte sich in dem Hauptreferat mit dem Stellenwert der Wasserkraft für eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieerzeugung für die bayerische Wirtschaft. Er betonte: „Damit der Freistaat sein ehrgeiziges Ziel der Klimaneutralität bis 2040 erreichen kann, brauchen wir einen Mix aller regenerativen Stromquellen. Der Wasserkraft kommt gerade in Bayern eine besondere Rolle zu: Ist sie doch grundlastfähig, zuverlässig und weist einen hohen Wirkungsgrad auf. Zudem ist sie dezentral verfügbar und sorgt für regionale Wertschöpfung. Wasserkraft zu nutzen, ist nachhaltiges Wirtschaften. In Wasserkraft zu investieren heißt, in die Zukunft unseres Standorts und der kommenden Generationen zu investieren.“

Wasserkraft verbindet Tradition und Innovation

Fritz Schweiger, Vorsitzender der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB), ging in seiner Rede auf die Herausforderungen der künftigen Energieversorgung ein, die sowohl klima- und ressourcenschonend als auch zuverlässig und planbar sein muss. All dies erfülle die Wasserkraft, betonte er. Darüber hinaus liefern die Anlagen einen wertvollen Beitrag zur Netzstabilisierung und Versorgungssicherheit.

Die Wasserkraft könne doppelt punkten, hob Schweiger hervor: „Einerseits ist die Technologie seit vielen Jahrzehnten bewährt, ausgereift und hocheffizient. Andererseits birgt sie in Kombination mit der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung der Netzinfrastrukturen noch ein erhebliches Innovations- und Transformationspotenzial. Wasserkraft ist somit eine Verknüpfung aus bewährter Tradition und zukunftsweisender Innovation.“

Besonders Kleinwasserkraftanlagen, die in der Regel an die mit hohen spezifischen Kosten beaufschlagten Nieder- und Mittelspannungsnetze angeschlossen sind, würden durch intelligente und effiziente Einbindung in Smart Grids zu entsprechend hohen Einspareffekten in der Region und für die Region führen, so der Vorstandsvorsitzende. „Unter der Voraussetzung einer zwischen den ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen ausgewogen durchgeführten Erzeugung klima- und ressourcenschonender Energie stellt die Wasserkraftnutzung eine Win-Win-Situation dar.“

Wasserkraft: führend bei grundlastfähigen und versorgungssicheren Technologien

Hermann Steinmaßl, Altlandrat, Mitglied des Landtags a.D. und Vorstandsmitglied der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern, untermauerte diese Aussagen mit Zahlen. Als älteste regenerative Technologie in Bayern hatte die Wasserkraft im Jahr 2020 einen Anteil von ca. 17 Prozent an der Gesamtstromerzeugung im Freistaat. Bezogen auf die Stromerzeugung nur aus erneuerbaren Energien, lag der Anteil in dem Jahr bei ca. 31 Prozent. Noch eindrücklicher ist die Zahl, wenn man nur die grundlastfähigen und versorgungssicheren regenerativen Technologien in der Stromerzeugung betrachtet. Hier führte die Wasserkraft 2020 mit ca. 56 Prozent. Die Zahlen sind den Energiedaten Bayern/Schätzbilanz 2020 entnommen.

„Natürlich brauchen wir alle regenerativen Energien“, betont Steinmaßl. „Die Wasserkraft hat als grundlastfähige, heimische und klimaneutrale Technologie aber eine herausragende Bedeutung zum Ausgleich der wetterbedingt volatilen Energieerzeugung mit Wind- und Photovoltaikanlagen.“ Dies werde 2023, wenn die letzten Kernkraftwerke vom Netz gegangen sind, eine noch wichtigere Rolle spielen als heute. „Jedes Wasserkraftwerk ist ein stabiler und zuverlässiger Einspeisepunkt, deshalb müssen alle Kraftwerke dringend für die Zukunftsaufgaben erhalten werden.“ Die bundesweit geforderten 50 Gigawatt Reservekapazität sollen vor allem mit Gaskraftwerken abgedeckt werden. „Es wäre aber fatal, wenn man in Bayern zuverlässige Wasserkraftwerke rückbaut, um diese dann später durch Gaskraftwerke ersetzen zu müssen“, so Steinmaßl.

Ausbauziele laut Bayerischem Energiegipfel

Laut Vereinbarungen im Bayerischen Energiegipfel soll die installierte Leistung der Wasserkraftanlagen in Bayern von 2,4 Gigawatt (GW) im Jahr 2017 auf 2,9 GW im Jahr 2030 erweitert werden. Die Jahreserzeugung von Strom aus Wasserkraftanlagen soll im gleichen Zeitraum von 12,2 auf 15 Terawattstunden (TWh) steigen. Aktuell sind rund 4.200 Wasserkraftanlagen in Bayern in Betrieb.

Die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) e.V. zählt rund 650 Mitglieder. 1984 gegründet, vertritt sie die Interessen von Betreibern von Wasserkraftanlagen bis circa einem Megawatt Leistung. Darunter sind zahlreiche Müller und Sägewerksbesitzer, deren Anlagen seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten in Familienbesitz sind und die Existenz der mittelständischen Unternehmen sichern, sowie regionale Energieversorger, die dezentral erzeugten, CO2-freien Strom aus ihren Wasserkraftanlagen liefern.