Megakanäle weltweit im Vergleich • WASSER & ABWASSER

Staudämme sind ein häufiges Element in Wasser-transfer-Megaprojekten und können die umgebenden Ökosysteme nachhaltig beeinträchtigen. Bild: Jörn Gessner, IGBStaudämme sind ein häufiges Element in Wasser-transfer-Megaprojekten und können die umgebenden Ökosysteme nachhaltig beeinträchtigen. (Bild: Jörn Gessner, IGB)
Megakanäle weltweit im Vergleich

Es gibt immer mehr gro­ße Kanä­le und Rohr­lei­tun­gen, die Süß­was­ser aus was­ser­rei­chen Regio­nen dort­hin trans­por­tie­ren, wo es als Trink­was­ser oder für Indus­trie und Land­wirt­schaft benö­tigt wird. 34 Mega-Anla­gen exis­tie­ren bereits, 76 wei­te­re sind in Pla­nung oder wer­den gebaut. Doch neben den Vor­tei­len des Was­ser­trans­fers sind die Aus­wir­kun­gen auf Mensch und Öko­sys­te­me enorm. Chris­tia­ne Zarfl, Pro­fes­so­rin für Umwelt­sys­tem­ana­ly­se von der Uni­ver­si­tät Tübin­gen, hat gemein­sam mit ihrer Dok­to­ran­din Olek­san­dra Shu­mi­l­o­va vom Leib­niz-Insti­tut für Gewäs­ser­öko­lo­gie und Bin­nen­fi­sche­rei und wei­te­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen die­se soge­nann­ten Was­ser­trans­fer-Mega­pro­jek­te (WTMP) nun erst­mals sys­te­ma­tisch erfasst. Die Ergeb­nis­se wur­den kürz­lich in der Fach­zeit­schrift Fron­tiers in Envi­ron­men­tal Sci­ence ver­öf­fent­licht.

Künst­li­che Flüs­se“ und rie­si­ge Roh­re, also gewal­ti­ge Was­ser­trans­fer­an­la­gen, sol­len in Zukunft die welt­wei­te Was­ser­ver­sor­gung gewähr­leis­ten, denn Kli­ma­wan­del, Indus­trie und Land­wirt­schaft las­sen in man­chen Regio­nen das Was­ser knapp wer­den. In eini­gen Län­dern, bei­spiels­wei­se in Chi­na und den USA, sind WTMP bereits heu­te ein wich­ti­ger Fak­tor. Zum Bei­spiel ver­bin­det der knapp 1500 km lan­ge Süd-Nord-Kanal Chi­nas was­ser­rei­chen Süden mit dem durs­ti­gen Nor­den, in dem sich unter ande­rem die Haupt­stadt Peking befin­det.

Was­ser­trans­fer-Mega­pro­jek­te kön­nen für die Men­schen in den betrof­fe­nen Regio­nen vie­le Vor­tei­le brin­gen“, erklärt Shu­mi­l­o­va. „Gleich­zei­tig gibt es aber häu­fig auch nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf sozia­ler, wirt­schaft­li­cher und öko­lo­gi­scher Ebe­ne; vor allem in den Gebie­ten, denen Was­ser ent­nom­men wird.“ Was­ser gehe ver­lo­ren durch Ver­duns­tung oder Lecks, Regio­nen ver­salz­ten, Schad­stof­fe und inva­si­ve Arten könn­ten sich bes­ser aus­brei­ten. Außer­dem gebe es ein höhe­res Kon­flikt­po­ten­ti­al zwi­schen Län­dern, die das­sel­be Fluss­ein­zugs­ge­biet teil­ten.

Wir haben Infor­ma­tio­nen zu allen aktu­ell bestehen­den und bis zum Jahr 2050 geplan­ten Was­ser­trans­fer-Mega­pro­jek­ten in einer Daten­bank gesam­melt“, erklärt Zarfl. „Wich­ti­ge Daten waren für uns bei­spiels­wei­se die Was­ser­men­ge, die trans­fe­riert wird, die zu über­win­den­de Ent­fer­nung, die geplan­ten und tat­säch­li­chen Kos­ten und der Zweck des Was­ser­trans­fers“. Als WTMP gel­ten Bau­pro­jek­te, die über 1 Mil­li­ar­de US-Dol­lar kos­ten, min­des­tens 190 Kilo­me­ter über­win­den oder mehr als 0,23 km³ Was­ser pro Jahr trans­por­tie­ren. Wenn alle im Bau befind­li­chen und geplan­ten Groß­pro­jek­te fer­tig­ge­stellt sind, wer­den die WTMP zusam­men 1910 km³ Was­ser trans­por­tie­ren; das ist etwa die 26-fache jähr­li­che durch­schnitt­li­che Was­ser­men­ge des Rheins. Hin­ter­ein­an­der­ge­legt sind sie etwa dop­pelt so lang wie der Äqua­tor, über 80.000 Kilo­me­ter. Die Gesamt­kos­ten aller Bau­vor­ha­ben schät­zen die For­sche­rin-nen und For­scher auf vor­aus­sicht­lich 2700 Mil­li­ar­den US-Dol­lar.

Bis­lang wur­den aller­dings weder die Para­me­ter der WTMP noch die Aus­wir­kun­gen von einer zen­tra­len Stel­le gesam­melt. Die­se Lücke schließt das For­schungs­pro­jekt und schafft damit eine Vor­aus­set­zung für inter­na­tio­nal ver­ein­bar­te Kri­te­ri­en, die den Auf­bau, die Leis­tungs­fä­hig­keit und die Aus­wir­kun­gen der künst­li­chen Flüs­se auf Mensch und Umwelt ver­gleich­ba­rer machen. „Bei der Pla­nung künf­ti­ger Mega­pro­jek­te wird es somit leich­ter, Kos­ten und Umwelt­fol­gen ein­zu­schät­zen und dem Nut­zen gegen­über­zu­stel­len“, erläu­tert Zarfl. „In künf­ti­gen For­schun­gen möch­ten wir vor allem die Aus­wir­kun­gen die­ser gewal­ti­gen Pro­jek­te unter­su­chen und die Risi­ken, die damit ver­bun­den sind.“