Langzeitstudie für die 4. Reinigungsstufe auf Kläranlage Landau-Mörlheim gestartet • WASSER & ABWASSER

Langzeitstudie für die 4. Reinigungsstufe auf Kläranlage Landau-Mörlheim gestartet

Auf der Kläranlage Landau-Mörlheim des Entsorgungs- und Wirtschaftsbetriebs Landau i.d.Pfalz (EWL) wird das durch das gemeinnützige GreenTech Unternehmen Wasser 3.0 gGmbH für die Entfernung von Mikroplastik und Mikroschadstoffen entwickelte Verfahren Wasser 3.0 PE-X® erstmalig in einem zwölfmonatigen Langzeitversuch für die Anwendung in kommunalem Abwasser eingesetzt. Im Rahmen dieser Langzeitstudie soll in den nächsten 12 Monaten herausgefunden werden, wie das Verfahren in der kommunalen Abwasserreinigung effektiv eingesetzt werden und wie eine 4. Reinigungsstufe damit wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftstauglich aussehen kann. Diese 4. Reinigungsstufe entfernt erstmalig gezielt auch Mikroplastik. Da für Mikroplastik bislang keine Grenzwerte existieren, stellt dieses Pilotprojekt ein Novum für die Abwasserreinigung dar.

Ein weiterer Meilenstein erfolgreicher Kooperation

In diesem vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz (MUEEF) geförderten Projekt kooperieren der EWL als Betreiber der Kläranlage Landau-Mörlheim, die abcr GmbH als Materialhersteller und das gemeinnützige GreenTech Unternehmen Wasser 3.0 gGmbH.

Die Wasser 3.0 gGmbH hat das Verfahren durch langjährige Forschungsarbeit nicht nur entwickelt, sondern übernimmt neben weiteren Funktionen auch die wissenschaftliche Begleitung dieser Langzeitstudie.

Dieses Projekt ist ein weiterer Meilenstein in der erfolgreichen Kooperation des EWL, der abcr GmbH und der Wasser 3.0 gGmbH hinsichtlich der gemeinsamen Lösungsentwicklung und der damit verbundenen Technologie. Die Kläranlage ist Heimat der Wasser 3.0 Technikumsreaktoren und Entwicklungsstandort neuer Pilotanlagen für die Wasserreinigung. „Wir sind froh und auch stolz, hier in Landau einen wichtigen Forschungsbeitrag zu leisten. Mikroplastik ist eine globale Gefahr. Vielleicht gelingt es, aus diesem lokalen Projekt heraus einmal die Abwasserreinigung zu revolutionieren“, bringt Dr. Maximilian Ingenthron, Verwaltungsratsvorsitzender des EWL und Bürgermeister von Landau, seine Hoffnung zum Ausdruck. Die abcr GmbH treibt die Skalierung und Wirtschaftlichkeit der Materialienkompositionen in den eigenen Entwicklungslaboren voran. Wasser 3.0 gGmbH wurde für seine Forschung und Innovationen mehrfach national und international ausgezeichnet, zuletzt mit dem Solar Impulse Efficient Solution Label für Wasser 3.0 PE-X® und dem German Innovation Award in Gold für die Strategie Wasser 3.0 detect | remove | reuse.

Mikroplastik und Mikroschadstoffe sind für die Abwasserreinigung sehr komplexe Herausforderungen

Schätzungen aus Studien zeigen, dass jede Kläranlage des Globalen Nordens jährlich zwischen 93 Millionen und 8,2 Milliarden Plastikpartikel in Flüsse und Meere transportiert. Denn diese Partikel werden wie andere Schadstoffe im Mikro- und Nanobereich trotz dreier Reinigungsstufen nur unzureichend zurückgehalten. „Einzelne Mikroplastikpartikel können sehr unterschiedliche Eigenschaften aufweisen und in Verbindung mit anderen Mikroschadstoffen wie Rückständen von Pharmazeutika, Pestiziden oder PFAS (synthetisch hergestellte per- und polyfluorierte Chemikalien) auftreten. Das macht Mikroplastik zu einem der wohl komplexesten Forschungsfelder und Herausforderungen im Bereich des Gesundheits- und Umweltschutzes“, sagt Dr. Katrin Schuhen, Gründerin und Geschäftsführerin von Wasser 3.0.

Das Verfahren ist ein gänzlich neuartiger Ansatz, um die Komplexität und Diversität von Verschmutzungsszenarien zu lösen. „Mit diesem Wasserverfahren  beschreiten wir neue Wege. Unsere ungiftigen high-tech Materialien und raffinierten low-tech Technologien sind flexibel adaptier- und skalierbar. Sie können entweder als Einzellösung oder Add-on in vorhandene Prozesse integriert werden. Der Gesamtprozess ist klimafreundlich und energieeffizient durchdacht. Geringe Betriebskosten machen das Baukastenkonzept zukunftssicher“, beschreibt Dr. Katrin Schuhen die Vorteile des Verfahrens. Es kann sowohl im Rahmen der 4. Reinigungsstufe als auch in anderen Verschmutzungsszenarien von industriellen Abwässern, Oberflächengewässern oder Meerwasser eingesetzt werden.

Wasser 3.0 detect | remove | reuse

Der Entfernungsprozess mit Wasser 3.0 PE-X® ist Teil der Strategie Wasser 3.0 detect | remove | reuse. Sie steht für einen ganzheitlichen Umgang mit Mikroplastik und Mikroschadstoffen im Wasser. Auf Grundlage neuester Forschungsergebnisse der Wasser 3.0 gGmbH auf dem Gebiet der Mikroplastik-Detektion werden im Rahmen der Langzeitstudie erstmals auch kontinuierliche Prozesskontrollen eingesetzt, die eine hohe Prozesseffektivität ermöglichen sollen. Anknüpfende Forschungsprojekte über die mögliche Weiterverwendung der entfernten Agglomerate sollen die 4. Reinigungsstufe  zu einem bioökonomisch erstrebenswerten kreislaufwirtschaftlichen Verfahren machen.