Kooperationen: Energieautarke Kläranlage • WASSER & ABWASSER

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Kooperationen: Energieautarke Kläranlage

Die Ener­gie­agen­tur Rhein­land-Pfalz hatt ein Inter­view mit dem Werk­lei­ter der Klär­an­la­ge Gau-Bickel­heim zur geplan­ten Sanie­rung der Klär­an­la­ge geführt. Die Klär­an­la­ge soll nicht nur ener­gie­aut­ark wer­den, son­dern bezieht eine wei­te­re Kom­mu­ne und ein orts­an­säs­si­ges Unter­neh­men mit ein. Die­se kom­ple­xe Zusam­men­ar­beit ist eine gro­ße tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Her­aus­for­de­rung zur Ver­bes­se­rung der Was­serrein­hal­tung. Das Pro­jekt ist äußerst vor­bild­lich und stellt eine Win-Win-Situa­ti­on für alle dar.

Herr Greb, die Klär­an­la­ge Gau-Bickel­heim soll ab 2020 aus­ge­baut wer­den. Wes­halb ist ein Umbau not­wen­dig und was genau ist dazu geplant?

Künf­tig müs­sen mehr Schlamm­men­gen in der Klär­an­la­ge ver­ar­bei­tet wer­den. Zum einen wird eine wei­te­re Orts­ge­mein­de der VG Wörr­stadt an die KA Gau-Bickel­heim ange­schlos­sen. Zum ande­ren wird eine nahe­ge­le­ge­ne Groß­metz­ge­rei in Zukunft mehr Schlamm­men­gen anlie­fern. Sie hat zwar eine eige­ne bio­lo­gi­sche Vor­klä­rung, die Schlamm­men­gen wer­den aller­dings in der KA Gau-Bickel­heim ver­ar­bei­tet. Im letz­ten Jahr hat die Fir­ma eine zwei­te Fabri­ka­ti­ons­hal­le errich­tet, die Pro­duk­ti­on wird sich künf­tig ver­dop­peln. Die KA Gau-Bickel­heim kann die zu erwar­ten­den Schlamm­men­gen ohne Umbau­ten nicht mehr ver­ar­bei­ten. Der Umbau soll auch dazu genutzt wer­den, um die Klär­an­la­ge auf Schlamm­fau­lung umzu­stel­len.

Die der­zeit als zwei­stra­ßi­ge Bele­bungs­an­la­ge mit simul­ta­ner Schlamm­sta­bi­li­sie­rung betrie­be­ne Anla­ge hat eine Aus­bau­grö­ße von 13.000 Ein­woh­ner (EW) und ist daher der Grö­ßen­klas­se IV zuge­ord­net. Die Anla­ge wur­de 1995 in Betrieb genom­men. Die aktu­el­le Zulauf­be­las­tung liegt im Jah­res­mit­tel bei etwa 13.500 EW. Der 85%-Belastungswert beträgt etwa 17.800 EW. Wäh­rend der Wein­bau­kam­pa­gne wird die Anla­ge mit bis zu 30.000 EW belas­tet.

Im Rah­men der Ver­fah­rens­än­de­rung ist eine inno­va­ti­ve Koope­ra­ti­on zwi­schen der Klär­an­la­ge, einer Kom­mu­ne und einem nahe­ge­le­ge­nen Unter­neh­men geplant. Kön­nen Sie dies näher erläu­tern?

Die geplan­te Fau­lungs­an­la­ge soll auch die Schläm­me der benach­bar­ten Klär­an­la­gen Wöll­stein (12.000 Ein­woh­ner) sowie der Betriebs­klär­an­la­ge der Groß­metz­ge­rei mit­be­han­deln. Auf­grund der räum­li­chen Nähe sowie zur Redu­zie­rung kli­ma­schäd­li­cher Abga­se soll der Schlamm­trans­port dabei nicht mehr wie bis­her per LKW über die Stra­ße, son­dern druck­lei­tungs­ge­bun­den erfol­gen. Mit­tels einer Pump­sta­ti­on wird der Über­schuss­schlamm der Klär­an­la­ge Wöll­stein in einen Schlamm­vor­la­ge­be­häl­ter auf die ca. 3,4 km ent­fern­ten Betriebs­klär­an­la­ge der Groß­metz­ge­rei gepumpt, wo er mit dem dort anfal­len­den Über­schuss­schlamm aus der Rei­ni­gung der Betriebs­ab­wäs­ser gemischt wird. Über ein Zwi­schen­pump­werk wird der gemisch­te Schlamm dann künf­tig wei­ter zur ca. 1,5 km ent­fern­ten Klär­an­la­ge Gau-Bickel­heim geför­dert.

Im Pro­duk­ti­ons­pro­zess der Metz­ge­rei fällt Fett an, wel­ches der­zeit noch in Fett­ab­schei­dern auf­ge­fan­gen und über Drit­te ent­sorgt wird. Die­ses Fett ist ener­ge­tisch sehr hoch­wer­tig. Es soll daher künf­tig dem Fau­lungs­pro­zess auf der Klär­an­la­ge Gau-Bickel­heim als Co-Sub­strat zuge­führt wer­den, um eine höhe­re Gas­ge­win­nung zu erzie­len. Dadurch kann die Faul­gas- und somit auch die Eigen­strom­pro­duk­ti­on gestei­gert wer­den. Damit soll erreicht wer­den, dass die KA ohne Fremd­strom­be­zug aus­kommt, also ener­gie­aut­ark arbei­ten wird.

Es hat sich gezeigt, dass durch eini­ge Ver­än­de­run­gen der bis­he­ri­gen Abläu­fe und dazu erfor­der­li­cher Bau­maß­nah­men eine Lösung gefun­den wur­de, die für alle Betei­lig­ten, d. h. die Groß­metz­ge­rei, die VG Wöll­stein und die VG Wörrstein eine soge­nann­te Win-Win-Situa­ti­on dar­stellt, von der alle pro­fi­tie­ren kön­nen.

Der Umbau der Klär­an­la­ge wird auch dazu bei­tra­gen, dass der Strom­ver­brauch der betei­lig­ten Klär­an­la­gen redu­ziert wird. Wie geht das?

Die Abwäs­ser, die bis­her durch die Teich­klär­an­la­ge Ven­ders­heim ver­ar­bei­tet wur­den, kön­nen künf­tig in die KA Gau-Bickel­heim abge­lei­tet wer­den. So kann die Teich­klär­an­la­ge, die bis­her sehr ener­gie­in­ten­siv belüf­tet wur­de, still­ge­legt wer­den. Dadurch kann viel Strom ein­ge­spart wer­den.

Außer­dem wird ver­mut­lich auf der Klär­an­la­ge künf­tig mehr Gas pro­du­ziert als vor Ort benö­tigt wird. Dank der Mit­be­hand­lung der Fett­ab­schei­der­in­hal­te wird auf der Klär­an­la­ge der Eigen­be­darf voll­stän­dig gedeckt wer­den, so dass eine Strom­aut­ar­kie erreicht wird. Das dann noch über­schüs­si­ge Gas soll über eine sepa­ra­te Gas­trans­port­lei­tung an die Groß­metz­ge­rei abge­ge­ben wer­den, so dass dies zum Betrieb des dor­ti­gen BHKW genutzt wer­den kann.
Die­se Umstel­lung der Ver­fah­rens­füh­rung auf Schlamm­fau­lung, die Mit­be­hand­lung von Schläm­men wei­te­rer Klär­an­la­gen sowie ener­gie­rei­cher Fett­ab­schei­der­in­hal­te ist eine zen­tra­le Maß­nah­me im Rah­men der Kli­ma­schutz­ak­ti­vi­tä­ten der VG Wörr­stadt.

Wes­halb ist gera­de jetzt aus Ihrer Sicht ein güns­ti­ger Zeit­punkt für die­ses Vor­ha­ben?

Eigent­lich haben wir ja gar kei­ne Alter­na­ti­ve zum geplan­ten Umbau. Auf­grund der erhöh­ten Schlamm­men­gen kann künf­tig nur so eine gere­gel­te Abwas­ser­be­sei­ti­gung unter Ein­hal­tung der vor­ge­schrie­be­nen Grenz­wer­te gewähr­leis­ten wer­den.
Den­noch ist es sehr erfreu­lich, dass die betei­lig­ten VGs durch die aktu­el­le För­der­ku­lis­se finan­zi­ell ent­las­tet wer­den. Ein erheb­li­cher Teil der zu erwar­ten­den Kos­ten kann durch die Kom­mu­nal­richt­li­nie des Bun­des und eine par­al­le­le För­de­rung des Lan­des finan­ziert wer­den.

Wel­che Her­aus­for­de­run­gen gab es im Vor­feld bei den Pla­nun­gen und wie konn­ten Sie die­se bewäl­ti­gen?

Grund­vor­aus­set­zung waren der star­ke Wil­le aller Betei­lig­ten zu einer gedeih­li­chen Zusam­men­ar­beit und eine sehr gute Koor­di­na­ti­on. Es gab immer wie­der Abstim­mungs­ge­sprä­che zwi­schen dem beauf­trag­ten Inge­nieur­bü­ro der Metz­ge­rei und dem Inge­nieur­bü­ro, wel­ches den Pla­nungs­auf­trag zum Umbau der kom­mu­na­len Klär­an­la­ge erhal­ten hat. In einem ers­ten Schritt muss­te zunächst abge­stimmt wer­den, wel­cher Part­ner wel­che Leis­tun­gen zu über­neh­men hat und es muss­ten hier­zu die Rah­men­be­din­gun­gen fixiert wer­den wie z. B. die Spe­zi­fi­ka­ti­on der Schläm­me hin­sicht­lich Zusam­men­set­zung, Tro­cken­sub­stanz­ge­halt und Men­ge.

Nach dem Klä­ren und Fixie­ren die­ser Rah­men­be­din­gun­gen durch eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Metz­ge­rei, der VG Wöll­stein und der VG Wörr­stadt wird aktu­ell die Geneh­mi­gungs­pla­nung für das Vor­ha­ben erar­bei­tet und gleich­zei­tig wur­den die För­der­mit­tel bean­tragt.

Bei einem Pro­jekt die­ser Grö­ße ist es wich­tig, von Anfang an umfas­send zu den­ken und nichts zu ver­ges­sen, damit eine opti­ma­le För­der­ku­lis­se erzielt wer­den kann. So wur­de zum Bei­spiel im Vor­feld eine Poten­zi­al­stu­die erstellt. Sie ist Vor­aus­set­zung für eine spä­te­re För­de­rung. Nur die Punk­te, die bereits in der Poten­zi­al­stu­die ent­hal­ten sind, kön­nen spä­ter auch tat­säch­lich geför­dert wer­den. Für Teil­maß­nah­men, die nicht unter­sucht wur­den, gibt es kei­ne För­der­mit­tel.
Hier waren wir sehr dank­bar, dass wir im Vor­feld eine umfas­sen­de Bera­tung durch die Ener­gie­agen­tur Rhein­land-Pfalz erhal­ten haben, um mög­li­che Fall­stri­cke beach­ten und die ver­schie­de­nen Anträ­ge sau­ber und ordent­lich abar­bei­ten zu kön­nen.