Konfliktlösungen für Natur- und Artenschutz • WASSER & ABWASSER

Wasser Abwasser
Konfliktlösungen für Natur- und Artenschutz

Natur­schutz und Was­ser­wirt­schaft haben bei­de Auf­ga­ben­be­rei­che von gro­ßer gesell­schaft­li­cher Bedeu­tung. Das sind in der Was­ser­wirt­schaft bei­spiels­wei­se Was­ser­ver­sor­gung, Gewäs­ser­aus­bau und -unter­hal­tung sowie Hoch­was­ser­schutz und im Natur­schutz die Erhal­tung der Bio­lo­gi­schen Viel­falt, Land­schafts­pfle­ge, Gewäs­ser­schutz und Erho­lung in der Natur. Berüh­rungs­punk­te zwi­schen bei­den Berei­chen gab es schon immer. Zu nen­nen sind hier der Gewäs­ser- und Auen­schutz, die Was­ser­gü­te oder die Gewäs­ser­struk­tur. Bei der Was­ser­gü­te ist in den letz­ten Jahr­zehn­ten eine erheb­li­che Ver­bes­se­rung erreicht wor­den. In Bezug auf die Struk­tur, den Nähr­stoff­ein­trag und die bio­lo­gi­sche Viel­falt bleibt jedoch noch eini­ges zu tun.

Seit Inkraft­tre­ten der euro­päi­schen Was­ser­rah­men­richt­li­nie (EG-WRRL) und der dar­aus fol­gen­den Ände­rung der deut­schen Was­ser­ge­setz­ge­bung haben die Berüh­rungs­punk­te zwi­schen den Auf­ga­ben­be­rei­chen deut­lich zuge­nom­men. Einen guten öko­lo­gi­schen wie che­mi­schen Zustand der Gewäs­ser zu errei­chen, ist ein Kern­ziel der Euro­päi­schen Was­ser­rah­men­richt­li­nie. Bio­di­ver­si­tät spielt dabei eine grund­le­gen­de Rol­le. Fach­ge­rech­te Gewäs­ser­re­na­tu­rie­run­gen sichern aqua­ti­schen Lebens­ge­mein­schaf­ten eine intak­te Umge­bung Der gute öko­lo­gi­sche Zustand der Gewäs­ser ist ein neu­es Bewirt­schaf­tungs­ziel in der Was­ser­wirt­schaft. Als einer der wesent­li­chen Grad­mes­ser dafür wird die Besied­lung der Gewäs­ser mit hei­mi­schen Pflan­zen und Tie­ren her­an­ge­zo­gen. Sie hat sich zudem über den Gewäs­ser­schlauch hin­aus stär­ker an Ein­zugs­ge­bie­ten zu ori­en­tie­ren. Damit ist die Tätig­keit der Was­ser­wirt­schaft stär­ker als zuvor von öko­lo­gi­schen Zusam­men­hän­gen bestimmt und ihr Ein­fluss auf den dem Natur­schutz zufal­len­den Arten- und Bio­top­schutz im Gewäs­ser- und Auen­be­reich nimmt zu.

Der gute men­gen­mä­ßi­ge Zustand des Grund­was­sers als Ziel der EG-WRRL und der davon abhän­gi­ge Zustand von natur­schutz­re­le­van­ten Land­öko­sys­te­men gibt eben­falls Anlass zu gemein­sa­mem Han­deln. In Natu­ra 2000-Gebie­ten ist die Was­ser­wirt­schaft nun mit­ver­ant­wort­lich für den Zustand der Gebie­te, soweit es dabei um die Was­ser­men­ge und -dyna­mik und die Ver­bin­dung zum Grund­was­ser geht. Natür­lich blei­ben auch poten­zi­el­le Kon­flikt­fel­der wei­ter­be­stehen, so beim Umgang mit dem Gewäs­ser­aus­bau und dem tech­ni­schen Hoch­was­ser­schutz.

An vie­len Fließ­ge­wäs­ser­stre­cken las­sen sich die Lebens­ver­hält­nis­se für die was­ser­ge­bun­de­ne Tier­welt, wie die Fisch- oder die Wir­bel­lo­sen­fau­na, bereits durch eine öko­lo­gisch ver­träg­li­che­re Gewäs­ser­un­ter­hal­tung för­dern. Dies trifft ins­be­son­de­re zu, wenn die­se im Sin­ne des Was­ser­haus­halts­ge­set­zes auch für die Pfle­ge und Ent­wick­lung der Gewäs­ser genutzt wird. So wer­den aktu­ell zahl­rei­che klei­ne­re Quer­bau­wer­ke im Zuge der Gewäs­ser­un­ter­hal­tung durch­gän­gig gestal­tet. Das­sel­be gilt oft­mals für die klein­räu­mi­ge Ent­nah­me von Ufer­ver­bau und die Initi­ie­rung einer eigen­dy­na­mi­schen Gewäs­ser­ent­wick­lung soweit dort aus­rei­chend brei­te Gewäs­ser­ent­wick­lungs­kor­ri­do­re zur Ver­fü­gung ste­hen. Intak­te Gewäs­ser­rand­strei­fen haben eine enor­me Schutz­funk­ti­on. Sie kön­nen eine wirk­sa­me Bar­rie­re gegen den Ein­trag von Nähr­stof­fen und Pflan­zen­schutz­mit­teln in Gewäs­ser sein und sind ein Hot­spot der Bio­di­ver­si­tät.

Auf­grund des hohen Aus­bau­gra­des von Fließ­ge­wäs­sern bedarf es viel­fach auch sehr umfäng­li­cher Bau­maß­nah­men, die in der Regel eine voll­stän­dig neue Gewäs­ser­ge­stalt (Lauf­form, Pro­fil­geo­me­tri­en, Soh­len­hö­hen etc.) und ver­än­der­te Abfluss­si­tua­tio­nen (Fließ­ge­schwin­dig­kei­ten, Was­ser­spie­gel­la­gen, Aus­ufe­rungs­häu­fig­kei­ten) zur Fol­ge haben. In die­sen Fäl­len wird ein Gewäs­ser­aus­bau gemäß § 68 WHG auf der Grund­la­ge einer vor­he­ri­gen Plan­fest­stel­lung oder Plan­ge­neh­mi­gung erfor­der­lich.

Um eine recht­lich ein­wand­freie und fach­lich fun­dier­te natur­na­he Gewäs­ser­ent­wick­lung betrei­ben zu kön­nen, müs­sen neben den rein was­ser­wirt­schaft­li­chen Betrach­tun­gen die natur­schutz­fach­li­chen und natur­schutz­recht­li­chen Belan­ge auf allen Ebe­nen der Gewäs­ser­un­ter­hal­tung sowie des Gewäs­ser­aus­baus berück­sich­tigt wer­den. Dazu bedarf es einer engen und vor allem früh­zei­ti­gen Abstim­mung von Was­ser­wirt­schaft und Natur­schutz, unter ande­rem im Hin­blick auf die gefor­der­ten Inhal­te der Geneh­mi­gungs­un­ter­la­gen für ein Plan­ge­neh­mi­gungs- oder Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren.

In der Pla­nungs­pra­xis lässt sich jedoch beob­ach­ten, dass Belan­ge von Natur­schutz und Land­schafts­pfle­ge oft zu spät, sehr ober­fläch­lich, oder auch gar nicht bei der Umset­zung was­ser­wirt­schaft­li­cher Maß­nah­men Berück­sich­ti­gung fin­den. Begrün­det wird dies mit der grund­sätz­lich posi­ti­ven Wir­kung der Maß­nah­men auf den Natur­haus­halt und mit der Ein­spa­rung unnö­ti­ger Pla­nungs- und Finanz­auf­wen­dun­gen.

Aufgaben der neuen Arbeitsgruppe

Im Rah­men eines auf Initia­ti­ve der DWA und des BBN statt­ge­fun­de­nen Exper­ten­ge­sprächs zum The­ma „Ein­griffs­re­ge­lung und Kom­pen­sa­ti­on bei der Umset­zung von EG-WRRL-Maß­nah­men“, an dem unter ande­rem Ver­tre­ter von Lawa, Lana und BfN betei­ligt waren, konn­ten The­men für etwai­ge Leit­fä­den als Arbeits­hil­fen für Maß­nah­men­trä­ger, Geneh­mi­gungs­be­hör­den sowie den betei­lig­ten Inge­nieur- und Pla­nungs­bü­ros iden­ti­fi­ziert wer­den, die eine fach­lich sinn­vol­le, wie auch recht­lich erfor­der­li­che Berück­sich­ti­gung natur­schutz­fach­li­cher Belan­ge auf­zei­gen. So wur­de deut­lich, wann und in wel­chem Umfang Belan­ge des Natur­schut­zes und der Land­schafs­pfle­ge bei der Pla­nung und Umset­zung von Rena­tu­rie­rungs­vor­ha­ben, ein­schließ­lich der Gewäs­ser­un­ter­hal­tung, Berück­sich­ti­gung fin­den müs­sen.

Ziel der neu­en DWA/BBN-Arbeits­grup­pe ist es, zunächst eine Publi­ka­ti­on zu erar­bei­ten, wel­che die Kon­flik­te zwi­schen Was­ser­wirt­schaft sowie Natur- und Arten­schutz bei den Zie­len, Ver­fah­ren und Maß­nah­men her­aus­ar­bei­ten und gleich­zei­tig auch gute Bei­spie­le für Kon­flikt­lö­sun­gen dar­stel­len soll. Auf­bau­end auf die­se Publi­ka­ti­on ist beab­sich­tigt, Leit­fä­den zu erstel­len, in denen auch die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Instru­men­te und Ver­fah­rens­ab­läu­fe dar­ge­stellt wer­den sol­len.

Ziel

Die von der DWA/BBN-Arbeits­grup­pe GB-10.2 „Emp­feh­lun­gen zu Kon­flikt­lö­sun­gen für Natur- und Arten­schutz bei der Umset­zung der WRRL“ im Fach­aus­schuss GB-10 „Was­ser­rah­men­richt­li­nie“ geplan­te Ver­öf­fent­li­chung soll sich an die Maß­nah­men­trä­ger für eine pra­xis­na­he Pla­nung und Durch­füh­rung von Maß­nah­men und Ver­fah­ren zur Umset­zung des Natur­schut­zes bei­spiels­wei­se bei Rena­tu­rie­rung und Gewäs­ser­un­ter­hal­tung wen­den. Hin­wei­se und Anre­gun­gen zu die­sem Vor­ha­ben nimmt die DWA-Bun­des­ge­schäfts­stel­le ger­ne ent­ge­gen. Zur Mit­ar­beit in der AG sind Ver­tre­ter/-innen aus Was­ser­wirt­schaft und Natur­schutz von Maß­nah­men­trä­gern, Betrei­bern was­ser­wirt­schaft­li­cher Anla­gen, Behör­den, Inge­nieur- und Bera­tungs­bü­ros, Ver­bän­den oder sons­ti­ge Inter­es­sier­te ein­ge­la­den.