„Kompensatoren einbauen und vergessen“ • WASSER & ABWASSER

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Kompensatoren einbauen und vergessen“

Kom­pen­sa­to­ren glei­chen Pro­zess­be­we­gun­gen in Kanä­len, Rohr­lei­tun­gen und Ver­bin­dungs­stel­len aus und müs­sen das Sys­tem nach außen dicht hal­ten. Wer glaubt, damit sei alles über Kom­pen­sa­to­ren gesagt, liegt weit dane­ben. Ste­fan Pucht­ler, Lei­ter Geschäfts­be­reich Kom­pen­sa­to­ren, Frenz­elit, erläu­tert, war­um ein Kom­pen­sa­tor indi­vi­du­ell aus­ge­legt sein soll­te, wel­che Details in der Her­stel­lung Berück­sich­ti­gung fin­den müs­sen und war­um hier­bei in ers­ter Linie Hand­ar­beit gefragt ist.

Herr Pucht­ler, Kom­pen­sa­tor ist nicht gleich Kom­pen­sa­tor oder gibt es in Ihrem Bereich auch Stan­dard­pro­duk­te?

Zwei Aspek­te haben Kom­pen­sa­to­ren aller Art gemein­sam: Sie bestehen in der Regel aus einem fle­xi­blen Ele­ment, um Bewe­gun­gen, Ver­schie­bun­gen, Ver­sät­ze aus­zu­glei­chen, und einer Flan­sch­an­bin­dung an die star­re Rohr­lei­tung. Damit hören die Gemein­sam­kei­ten dann aber auch schon auf. Es gibt Kom­pen­sa­to­ren aus Gum­mi, Stahl, Gewe­be und PTFE (als Tef­lon bekannt) in allen erdenk­li­chen Grö­ßen, Mate­ria­li­en und Bran­chen.

Die größ­te Stan­dar­di­sie­rung wei­sen Kom­pen­sa­to­ren aus PTFE auf, die auf­grund ihrer auf­wen­di­gen Her­stel­lungs­wei­se in genorm­ten Län­gen und Grö­ßen ange­bo­ten wer­den. Zum Ein­satz kom­men die­se auf­grund ihrer Bestän­dig­keit vor allem in der che­mi­schen und in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie.

Auch Gum­mi-Kom­pen­sa­to­ren, die vor allem für klei­ne­re Abmes­sun­gen geeig­net sind, fol­gen bei der Her­stel­lung einer Norm, wäh­rend die Bäl­ge der Stahl­kom­pen­sa­to­ren indi­vi­du­ell pro­du­ziert wer­den müs­sen, rund, eckig, in nahe­zu jeder Abmes­sung. Ein­satz fin­den Stahl­kom­pen­sa­to­ren ins­be­son­de­re, wenn es um hohe Dicht­heits­an­for­de­run­gen bei Medi­en mit sehr hohen Drü­cken geht.

Abso­lut fle­xi­bel und indi­vi­du­ell wird es bei den Gewe­be­kom­pen­sa­to­ren – unse­rem Kern­ge­schäft im Kom­pen­sa­tor-Bereich. Da ist jeder Kom­pen­sa­tor eine Maß­an­fer­ti­gung für die jewei­li­ge Anwen­dung, was die Grö­ße, die Anzahl der Gewe­be­la­gen und die Mate­ria­li­en angeht. Gewe­be­kom­pen­sa­to­ren fin­den vor allem Ver­wen­dung bei Anla­gen mit gas­för­mi­gen Medi­en. Die Spe­zi­al­ge­we­be für die ein­zel­nen Schich­ten stam­men bei Frenz­elit zum größ­ten Teil aus eige­ner Fer­ti­gung.

Aus wie vie­len Schich­ten besteht denn ein Gewe­be­kom­pen­sa­tor?

Auch das ist wie­der­um indi­vi­du­ell ver­schie­den. Es kann ein Kom­pen­sa­tor mit nur einer Lage plus Beschich­tung zum Ein­satz kom­men oder aber ein mehr­la­gi­ges Gebil­de, das höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren oder Drü­cken stand­hal­ten kann – bis zu 14 oder 15 Lagen hat­ten wir schon als Spe­zi­al­an­fer­ti­gung. Je mehr Mate­ri­al ver­wen­det wird, des­to ein­ge­schränk­ter ist jedoch die Beweg­lich­keit und Fle­xi­bi­li­tät des Kom­pen­sa­tors. Man muss also bei jeder Anwen­dung abwä­gen, wie vie­le Lagen und wel­che Mate­ria­li­en sinn­voll sind und wie beweg­lich das Bau­teil tat­säch­lich sein muss.

Wel­che Mate­ria­li­en wer­den für einen Gewe­be­kom­pen­sa­tor ver­wen­det?

Die Mate­ria­li­en wer­den je nach Anfor­de­rung hin­sicht­lich Medi­um, Tem­pe­ra­tu­ren, Druck­ver­hält­nis­sen, Dicht­hei­ten oder Kor­ro­si­ons­be­stän­dig­keit aus­ge­wählt. Für eine sehr gute mecha­ni­sche Bestän­dig­keit bei bestimm­ten Druck­ver­hält­nis­sen sind z. B. meh­re­re Lagen aus Poly­es­ter gefor­dert, was jedoch die ther­mi­sche Bestän­dig­keit ein­schränkt. Für Kor­ro­si­ons­be­stän­dig­keit und hohe Dicht­heit eig­nen sich PTFE-lami­nier­te Gewe­be­la­gen oder rei­ne Foli­en, die zwi­schen den ande­ren Gewe­be­la­gen ange­ord­net sind, um einen Gas­aus­tritt hin zur Umwelt zu ver­hin­dern. Dabei kommt uns zugu­te, dass wir inhouse auch das Know-how über die Mate­ria­li­en besit­zen. Unse­re eige­ne Tex­til­spar­te ent­wi­ckelt und lie­fert die beschich­te­ten Gewe­be.

Wor­auf kommt es dem­nach bei der Her­stel­lung von Kom­pen­sa­to­ren an, wenn die Anwen­dungs­be­din­gun­gen so unter­schied­lich sind?

Ent­schei­dend ist die Aus­le­gung des gefor­der­ten Kom­pen­sa­tors. Wir müs­sen vor­ab die genau­en Details zum Ein­satz des Kom­pen­sa­tors vom Kun­den erhal­ten, wel­che Leis­tung das Teil erfül­len muss. In wel­chem Betriebs­be­reich wird der Kom­pen­sa­tor ein­ge­setzt? Wel­che ther­mi­schen und wel­che Druck­ver­hält­nis­se müs­sen die Mate­ria­li­en abbil­den kön­nen? Wel­che Form­ge­bung ist nötig; wie fle­xi­bel muss der Kom­pen­sa­tor sein, um die gefor­der­ten Bewe­gun­gen dar­stel­len zu kön­nen? Wie kön­nen die Mate­ria­li­en im Flansch­be­reich mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den?

Ist Ihren Kun­den die­ses detail­ge­naue Brie­fing bewusst? Erhal­ten Sie die­se Infor­ma­tio­nen von Ihren Kun­den auf Anhieb?

Teils, teils. Lei­der gibt es immer noch Fir­men, die in einem Kom­pen­sa­tor ein „unwich­ti­ges“ Zukauf­teil für die Rohr­lei­tung sehen, das aus­schließ­lich über den Preis aus­ge­wählt wird. Dann sind Details zunächst nicht so wich­tig. Erst wenn das ver­meint­lich güns­ti­ge Teil nicht rich­tig passt und es dann zum Anla­gen­still­stand kommt, las­sen sie sich auf unse­re Exper­ti­se ein.

Was kann pas­sie­ren, wenn auf Details kein Wert gelegt wird?

Ein zen­tra­les The­ma, bei dem die Kun­den oft nicht so prä­zi­se Anga­ben machen (kön­nen), ist das Aus­maß der Bewe­gun­gen, die der Gewe­be­kom­pen­sa­tor aus­hal­ten muss. Ein Kun­de gab ca. 80 bis 100 mm bei Stau­chung des Kom­pen­sa­tors an, was recht viel ist. Lei­der han­del­te es sich aber um eine 100-mm-Stre­ckun­g/-Deh­nung, die der Kom­pen­sa­tor hät­te auf­neh­men müs­sen. Was pas­sier­te? Er riss ab, weil er ein­fach zu kurz war.

Die Qua­li­tät steckt wie so oft im Detail – und bei Frenz­elit auch in der Hand­ar­beit, rich­tig?

Genau. Auf­grund der Indi­vi­dua­li­tät ist die Her­stel­lung von Gewe­be-Kom­pen­sa­to­ren – aber in hohem Maße auch bei den ande­ren Kom­pen­sa­tor-Vari­an­ten – eine Manu­fak­tur­leis­tung. 80 bis 100 Pro­zent der Fer­ti­gungs­schrit­te sind Hand­ar­beit. Das lässt sich gar nicht auto­ma­ti­sie­ren. Die Viel­zahl und Viel­schich­tig­keit der Mate­ria­li­en, die abso­lut unter­schied­li­chen Kanal­ab­mes­sun­gen, die uns vor­ge­ge­ben wer­den, machen jeden Kom­pen­sa­tor ein biss­chen anders. Maschi­nell erfolgt höchs­tens die Erstel­lung der nöti­gen Form mit Kreis­sä­gen, Bohr- und Fräs­ma­schi­nen. Die Gewe­be wer­den in der Regel von Hand zuge­schnit­ten, über die Form gelegt und schließ­lich vul­ka­ni­siert, also mit­ein­an­der ver­bun­den.

Gibt es Unter­schie­de in der Her­an­ge­hens­wei­se, wenn es sich um ein Retro­fit-Pro­jekt oder eine Neu­kon­struk­ti­on han­delt?

Bei Neu-Pro­jek­ten geht es häu­fig dar­um, die Kos­ten bei allen Anla­gen­tei­len mög­lichst gering zu hal­ten und somit auch kos­ten­güns­ti­ge Kom­pen­sa­to­ren zu ver­wen­den. Der Hin­ter­ge­dan­ke dabei ist, dass der Kom­pen­sa­tor ein Ver­schleiß­teil ist, das altert und nach einer gewis­sen Zeit aus­ge­tauscht wer­den muss. Das ist natür­lich rich­tig, aber zu kurz gedacht, wie man bei unse­ren Retro­fit-Pro­jek­ten sieht, die einen Groß­teil unse­rer Auf­trä­ge aus­ma­chen. Wenn Kom­pen­sa­to­ren bereits nach kur­zer Zeit defekt sind und aus­ge­tauscht wer­den müs­sen, emp­feh­len unse­re Inge­nieu­re nach einer Orts­be­ge­hung Alter­na­ti­ven, even­tu­ell auch einen Umbau. Damit erhö­hen sich die Lauf­zei­ten der Kom­pen­sa­to­ren deut­lich. Der Kun­de spart letzt­lich trotz höhe­rer Inves­ti­tio­nen Geld dank gerin­ge­rer Still­stands- und War­tungs­zei­ten. Unge­plan­te Still­stän­de sind sehr kos­ten­in­ten­siv.

Wie schnell kön­nen Sie einen Kom­pen­sa­tor erset­zen, wenn es zu einem sol­chen unge­plan­ten Aus­fall kommt?

Da die Aus­fall­zei­ten sich meist in Hun­dert­tau­sen­den von Euro bewe­gen, ist unser Anspruch, inner­halb von 24 Stun­den welt­weit vor Ort eine Begut­ach­tung vor­zu­neh­men, Repa­ra­tur­maß­nah­men ein­zu­lei­ten und gege­be­nen­falls die Fer­ti­gung eines neu­en Kom­pen­sa­tors zu ver­an­las­sen. Die Her­stel­lung benö­tigt von weni­gen Stun­den bis zu ca. zwei Tagen. Dazu kommt das gan­ze Drum­her­um: Her­un­ter­küh­len einer Anla­ge, Iso­lie­run­gen ent­fer­nen, dann der eigent­li­che Aus­bau des Kom­pen­sa­tors. Das kos­tet Zeit. Bes­ser ist es, geplan­te Still­stän­de, soge­nann­te Revi­si­ons­zei­ten zu nut­zen.

Wer ver­ant­wor­tet den Ein­bau eines Kom­pen­sa­tors, Frenz­elit oder das Kun­den­un­ter­neh­men?

Wir bie­ten ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten an, zum einen die Full-Ser­vice-Vari­an­te, bei der der Ein­bau kom­plett durch unse­re Mon­teu­re und unse­ren Super­vi­sor samt unse­rem Equip­ment erfolgt – vom Aus­bau des alten Teils bis zur letz­ten Schrau­be des neu­en Kom­pen­sa­tors. Alter­na­tiv über­neh­men die Mit­ar­bei­ter des Kun­den den Ein­bau und wer­den durch unse­ren Super­vi­sor ange­lei­tet. So wird eben­falls gewähr­leis­tet, dass alles sei­ne Rich­tig­keit hat. Man­che Kun­den trau­en sich aber auch zu, den Aus- und Ein­bau kom­plett selbst­stän­dig durch­zu­füh­ren. Das funk­tio­niert oft gut, manch­mal aber auch lei­der nicht, wenn z. B. ein Schweiß­bren­ner zum Abtren­nen einer Trans­port­si­che­rung an einem Gewe­be­kom­pen­sa­tor zur Hil­fe genom­men wird. Das ist tat­säch­lich pas­siert! Der Kom­pen­sa­tor war natür­lich defekt, das Medi­um trat durch ent­stan­de­ne Schlit­ze aus.

Sol­che Vor­komm­nis­se sind ärger­lich und teu­er und ein­fach zu ver­mei­den. Unser Ser­vice-Team leis­tet die nöti­ge Hil­fe­stel­lung, wenn die Hand­ha­bung von solch sen­si­blen, fle­xi­blen Tei­len nicht geläu­fig ist.

Sie agie­ren inter­na­tio­nal. Wo ist Frenz­elit in der Welt ver­tre­ten?

Wir haben Nie­der­las­sun­gen in Deutsch­land, den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Indi­en und im Mitt­le­ren Osten. Über­all wird auch Ser­vice-Per­so­nal vor­ge­hal­ten, um als Back-up für die Kun­den­un­ter­neh­men zur Ver­fü­gung zu ste­hen, was bei ande­ren Fir­men nicht unbe­dingt selbst­ver­ständ­lich ist. Gera­de im Not­fall erweist sich aber, wie gut die Fir­ma ist, bei der Sie Kom­po­nen­ten für Ihre Anla­ge bezo­gen haben. Ver­kauft das Unter­neh­men nur die Tei­le oder erhält der Kun­de auch noch Bera­tung und Unter­stüt­zung dar­über hin­aus?

Bit­te geben Sie noch einen klei­nen Markt­aus­blick für Gewe­be­kom­pen­sa­to­ren, wie schät­zen Sie die künf­ti­gen Ein­satz­ge­bie­te ein?

Tat­säch­lich fällt auf­grund der Ener­gie­wen­de ein gro­ßer Markt für Gewe­be­kom­pen­sa­to­ren weg, wenn Kraft­wer­ke und Gas­tur­bi­nen­an­la­gen nach und nach abge­schal­tet wer­den. Im Stahl­be­reich sind wir bei­spiels­wei­se sehr gut auf­ge­stellt, was z. B. die Abdich­tung von Pro­zess­öfen anbe­langt. Auch in der che­mi­schen und petro­che­mi­schen Indus­trie erschlie­ßen wir der­zeit neue Ein­satz­be­rei­che. Zudem ver­la­gern sich die Märk­te geo­gra­fisch über Deutsch­land und Euro­pa hin­aus. Mit unse­ren welt­wei­ten Nie­der­las­sun­gen kön­nen wir dem gut begeg­nen. In die­sen Regio­nen sehe ich wei­ter­hin einen hohen Bedarf an Kom­pen­sa­to­ren, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich War­tung und Aus­tausch von Ersatz­tei­len.

Für uns ist es wich­tig, mit hoher Qua­li­tät in die­se Märk­te hin­ein­zu­ge­hen. Wo bis­her nur bil­li­ge und des­halb ver­schleiß­in­ten­si­ve Kom­pen­sa­to­ren zum Ein­satz kamen, wol­len wir mit Qua­li­tät, Lang­le­big­keit und Ser­vice über­zeu­gen. Ein Kom­pen­sa­tor soll­te ein Pro­dukt sein, das man ein­baut und dann getrost für die nächs­ten acht bis zehn Jah­re „ver­gisst“, weil es ein­fach bes­tens funk­tio­niert.