Grundschleppnetzfischerei gefährdet viele Arten • WASSER & ABWASSER

Gewässer Wasser Abwasser Technik W&A Fließgewässer
Grundschleppnetzfischerei gefährdet viele Arten

In Mee­res­schutz­ge­bie­ten (MPAs für Mari­ne Pro­tec­ted Are­as) soll­te die mari­ne Umwelt beson­ders geschützt sein. Wie eine neue Stu­die, die heu­te in der ame­ri­ka­ni­schen Fach­zeit­schrift Sci­ence erscheint, zeigt, fin­det in etwa 60% die­ser MPAs Schlepp­netz­fang statt, mit zum Teil erheb­li­chen nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf dort leben­de Arten. For­schen­de aus Kana­da und vom Geo­mar Helm­holtz-Zen­trum für Ozean­for­schung Kiel hat­ten dafür mehr als 700 MPAs im Bereich des Nord­ost­at­lan­tiks unter­sucht.

Etwa 45% der deut­schen und fast 30% der euro­päi­schen Mee­res­ge­wäs­ser sind als Schutz­ge­bie­te aus­ge­wie­sen. Das klingt sehr beru­hi­gend, bedeu­tet aber nicht, dass in die­sen Gebie­ten kei­ner­lei Nut­zung, zum Bei­spiel durch Fische­rei, statt­fin­det. So ist in vie­len der soge­nann­ten Mari­ne Pro­tec­ted Are­as (MPAs) Schlepp­netz­fi­sche­rei erlaubt, mit erheb­li­chen nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, wie eine neue Stu­die deut­scher und kana­di­scher Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler zeigt, die heu­te in der ame­ri­ka­ni­schen Fach­zeit­schrift Sci­ence erschie­nen ist.

Die For­schen­den unter­such­ten mehr als 700 MPAs in Gewäs­sern der Euro­päi­schen Uni­on rund um die Bri­ti­schen Inseln, in der Nord­see, vor Frank­reich und Spa­ni­en (ohne Mit­tel­meer). Die Ana­ly­se von Satel­li­ten­da­ten ergab, dass die Schlepp­netz­in­ten­si­tät in MPAs im Durch­schnitt 40% höher war als außer­halb der Schutz­ge­bie­te. “Wir zei­gen, dass die Anzahl von ver­schie­de­nen Hai- und Rochen­ar­ten in Gebie­ten mit hoher Schlepp­netz­fi­sche­rei um bis 69% nied­ri­ger ist“, sagt Manu­el Dure­uil, Haupt­au­tor der Stu­die von der Dal­housie Uni­ver­si­ty. „Oft han­delt es sich hier um Grund­schlepp­netz­fi­sche­rei, die auch für ande­re Orga­nis­men nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen haben kann”, Dure­uil wei­ter.

Unse­re Stu­die zeigt, dass Mee­res­schutz­ge­bie­te mit Grund­schlepp­netz­fi­sche­rei kei­ne siche­ren Häfen sind, son­dern gefähr­de­te Arten dort zum Teil stär­ker bedroht sind, als außer­halb die­ser Gebie­te“, sagt Dr. Rai­ner Froese, Co-Autor der Stu­die vom Geo­mar Helm­holtz-Zen­trum für Ozean­for­schung Kiel. „Damit Schutz­ge­bie­te ihren Namen ver­die­nen, muss die Grund­schlepp­netz­fi­sche­rei been­det wer­den“, so Froese wei­ter. Sei­ner Ansicht nach bestehe auch kei­ne Not­wen­dig­keit einer Befi­schung der MPAs. Wenn Fisch­be­stän­de nach­hal­tig bewirt­schaf­tet wür­den, dann wach­sen die Bestands­grö­ßen und die erlaub­ten Fän­ge kön­nen leicht außer­halb von MPAs gefischt wer­den, so der Kie­ler Fische­rei­bio­lo­ge.

Die Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler for­dern des­halb, dass die Min­dest­stan­dards von MPAs drin­gend ver­bes­sert wer­den müs­sen. Die Poli­tik muss sich auf inter­na­tio­nal ver­gleich­ba­re Stan­dards unter Aus­schluss der Grund­schlepp­netz­fi­sche­rei ver­stän­di­gen und das Manage­ment von MPAs muss gestärkt und trans­pa­ren­ter gestal­tet wer­den. Nur so kön­ne es gelin­gen, dass MPAs lang­fris­tig zu einem nach­hal­ti­gen Schutz der Mee­res­um­welt und bedroh­ter Arten bei­tra­gen kön­nen.