Erhalt der Trinkwassergüte • WASSER & ABWASSER

Von Trinkwasser kalt mit Temperaturen > 20 °C gehen zunehmend Hygienerisiken aus. Viega hat das Trinkwasser-Management-System „AquaVip Solutions” daher um einen entsprechenden Durchfluss-Trinkwasserkühler (DTK) erweitert, der in die Zirkulation von Trinkwasser kalt eingebunden wird. (Bild: Viega)Von Trinkwasser kalt mit Temperaturen > 20 °C gehen zunehmend Hygienerisiken aus. Viega hat das Trinkwasser-Management-System „AquaVip Solutions” daher um einen entsprechenden Durchfluss-Trinkwasserkühler (DTK) erweitert, der in die Zirkulation von Trinkwasser kalt eingebunden wird. (Bild: Viega)
Erhalt der Trinkwassergüte

Für Systemanbieter Viega ist der Erhalt der Trinkwassergüte in Gebäuden eines der zentralen Kompetenzthemen. Mit dem Trinkwasser-Management-System Aqua Vip Solutions hebt das Unternehmen das Thema jetzt auf ein völlig neues Leistungsniveau: Zum ersten Mal werden Trinkwasseranlagen in aller Konsequenz ganzheitlich betrachtet und elektronisch vernetzt. Dadurch ist es möglich, die entscheidenden Einflussfaktoren auf den Erhalt der Trinkwassergüte permanent zu überwachen und so zu steuern, dass eine negative Beeinflussung der Trinkwasserhygiene selbst bei schwankender Nutzungsintensität ausgeschlossen ist.

 Nach dem sogenannten Wirkkreis der Trinkwassergüte hängt der Erhalt der Trinkwasserhygiene von vier entscheidenden Einflussgrößen ab: der vollständigen Durchströmung der gesamten Trinkwasseranlage, einer hygienegerechten Temperatur­haltung von Trinkwasser warm und Trinkwasser kalt, dem regelmäßigen Wasseraustausch auf Basis des bestimmungs­gemäßen Betriebs sowie dem in den Rohrleitungen anliegenden Nährstoff­angebot für Bakterien.

Mit dem Trinkwasser-Management-System Aqua Vip Solutions betrachtet Viega sowohl diese vier Einflussfaktoren als auch die zwischen ihnen bestehenden Wechselbeziehungen ganzheitlich, vom Haus­anschluss bis zur letzten Zapfstelle. Über einen neu konstruierten Durchfluss-Trinkwasser­erwärmer (DTE) wird beispielsweise die Menge des vorzuhaltenden Trink­wassers warm reduziert. Elektronisch gesteuerte „Easytop“-Regulier­ventile sorgen wiederum für eine hygiene­gerechte Temperaturhaltung in der Trinkwasserverteilung. Automatisch auslösende Spülstationen, Spülkästen und Auslaufarmaturen sichern den bestimmungs­gemäßen Betrieb der Trinkwasseranlage ab. Kommt es in den Trinkwasser kalt führenden Rohr­leitungen zu einem hygienekritischen Temperaturanstieg, wird zudem auch dieser Volumenstrom entsprechend behandelt, und zwar indem er über einen ebenfalls neu entwickelten Durchfluss-Trink­wasser­kühler (DTK) geführt wird.

Niedrigere Systemtemperaturen durch UFC

Zur Absicherung der Trinkwassergüte bei gleichzeitig signifikant reduziertem Energieeinsatz rückt nun ein weiterer technischer Ansatz in den Fokus: die Ultrafiltration, zum Beispiel im Bypass der Warmwasserzirkulation (UFC-Technologie). Durch die Ultrafiltration wird die Gesamtzahl an Bakterien im Rohrleitungsnetz sowie das ihnen zur Verfügung stehende Nährstoffangebot reduziert. Ziel ist es, auf diesem Wege die Systemtemperaturen in einer Trinkwasseranlage zu reduzieren und so beispielsweise den Einsatz regenerativer Wärmeerzeuger, wie Wärmepumpen, für die monovalente Warmwasserbereitung zu forcieren. Ansonsten muss in großen Trinkwasseranlagen mit entsprechender Bevorratung in der Regel noch elektrisch nachgeheizt werden, um die geforderten Systemtemperaturen einhalten zu können.

In Modell- und Pilotstudien sowie dem Anfang 2019 gestarteten Forschungsprojekt „Ultra-F – Ultrafiltration als Element der Energieeffizienz in der Trinkwasserhygiene“ der Technischen Universität Dresden werden aktuell die Auswirkungen einer Absenkung der Systemtemperaturen von Trinkwasser warm auf beispielsweise 48/45 °C auf die hygienische Stabilität in Trinkwasser-Installationen untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem auch die damit verbundenen Rahmenbedingungen von der Nutzung der Entnahmestellen bis zur Hydraulik.

Eine Temperaturabsenkung ist für die weitere Verringerung des Primärenergieeinsatzes in Gebäuden von entscheidender Bedeutung, da durch immer dichtere Gebäudehüllen der prozentuale Anteil des Energiebedarfs für die Warmwasserbereitung stark zugenommen hat. In Passivhäusern macht er mittlerweile schon bis zu 50 Prozent aus. Bei einer Absenkung der Systemtemperaturen von Trinkwasser warm um 10 K und mehr reduziert sich der Primärenergieeinsatz sofort entsprechend.

Vernetzte Elektronik als Steuerung

Möglich ist der ganzheitliche Viega-Ansatz unter Einbeziehung von Ultrafiltration für nachhaltige Energieeffizienz durch eine vernetzte Elektronik als Herzstück des neuen Trinkwasser-Management-Systems Aqua Vip Solutions. Diese Elektronik kann skalierbar an die individuellen Anforderungen jeder Trinkwasseranlage angepasst werden. Über eine Vielzahl von Sensoren erfassen die Controller die Betriebs­zustände der Trinkwasseranlage sowie die für den Erhalt der Trinkwasser­güte entscheidenden Parameter. Dazu zählen vor allem das Temperatur­niveau in Trinkwasser warm und Trinkwasser kalt sowie eventuelle Nutzungs­unterbrechungen. Bei Über- oder Unterschreiten definierter Soll-Werte wird dann automatisch eine bedarfsgerechte Hygiene­spülung ausgelöst.

Sämtliche Messwerte und Aktionen werden manipulationssicher zentral gespeichert. So kann der Betreiber bei eventuellen Auffälligkeiten den bestimmungsgemäßen Betrieb der Trinkwasseranlage problemlos nach­weisen. Wird ein zentrales Monitoring für mehrere Liegenschaften gewünscht, lässt sich die Elektronik auch in ein bestehendes Gebäude­automations­system integrieren.

Hygienegerechte Auslegung als Basis

Das Trinkwasser-Management-System Aqua Vip Solutions wurde gezielt für den Einsatz in Gebäuden mit großen Trinkwasseranlagen konzipiert, wie sie für Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime oder Wohnkomplexe typisch sind. Die produkttechnischen Lösungen mit innovativer Trinkwassererwärmung, Ultrafiltration, thermisch und hydraulisch permanent überwachten Parametern im Trinkwasser und automatischer Unterstützung des bestimmungsgemäßen Betriebs stellen dabei die folgerichtige Ergänzung zur hygienischen Auslegung von Trinkwasseranlagen in solchen Gebäuden dar.

Gekennzeichnet sind solche Anlagenplanungen vor allem durch die bedarfsgerechte Dimensionierung des Rohrleitungsnetzes, durch eine möglichst auch baulich thermische Trennung der Rohrleitungsinstallationen für Trinkwasser warm und Trinkwasser kalt sowie eine klare, nachvollziehbare Struktur der Rohrleitungsnetze unter Minimierung des Trinkwasservolumens.

Schon mit „Viptool“ planbar

Das Trinkwasser-Management-System Aqua Vip Solutions umfasst viele neue und innovative Produkte. Für die Auslegung großer Trinkwasseranlagen als typischem Einsatzbereich von Aqua Vip Solutions pflegt Viega die neuen Produkte zeitnah über ein entsprechendes Update auch in die Planungssoftware Viptool Engineering ein.