Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser sicherstellen • WASSER & ABWASSER

Für sauberes Wasser müssen auch die Verursacher von Verunreinigung in die Verantwortung genommen werden. (Bild: Messe München)Für sauberes Wasser müssen auch die Verursacher von Verunreinigung in die Verantwortung genommen werden. (Bild: Messe München)
Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser sicherstellen

Auf der Ifat 2020 gehö­ren moder­ne Was­ser- und Abwas­ser­tech­no­lo­gi­en zu den zen­tra­len Aus­stel­lungs­in­hal­ten. Neben den „tra­di­tio­nel­len“ Leis­tun­gen der Auf­be­rei­tung, Ver­tei­lung und Rei­ni­gung gibt es aktu­ell wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen – wie zum Bei­spiel Tro­cken­pe­ri­oden, Spu­ren­stof­fe und Bedro­hun­gen der IT-Infra­struk­tur –, für die die Bran­che Lösun­gen fin­den muss.

Sau­be­res Was­ser in aus­rei­chen­der Men­ge ist ein hohes gesell­schaft­li­ches Gut, das es zu sichern und zu schüt­zen gilt. Auch in einem was­ser­rei­chen Land mit hohen infra­struk­tu­rel­len und umwelt­tech­no­lo­gi­schen Stan­dards wie Deutsch­land müs­sen dafür viel­fäl­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen gemeis­tert wer­den. Dazu zäh­len nach wie vor Rück­stän­de von Arz­nei­mit­teln, Pflan­zen­schutz­mit­teln, Bio­zi­den und ande­ren Che­mi­ka­li­en im Was­ser­kreis­lauf. Schon in sehr gerin­gen Kon­zen­tra­tio­nen – als Mikro­ver­un­rei­ni­gun­gen – kön­nen die­se nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt und die mensch­li­che Gesund­heit haben.

Technische Aufbereitung kostet

Es ist tech­nisch mög­lich, einen Teil die­ser anthro­po­ge­nen Spu­ren­stof­fe in den Klär­an­la­gen zu ent­fer­nen, zum Bei­spiel durch Ozonung oder Aktiv­koh­le­ad­sorp­ti­on. Dazu müs­sen aller­dings bestehen­de Rei­ni­gungs­stu­fen modi­fi­ziert oder zusätz­li­che Rei­ni­gungs­stu­fen neu gebaut wer­den. „Die­se Maß­nah­men erfor­dern Inves­ti­tio­nen und einen hohen Auf­wand an Ener­gie-, Sach- und Per­so­nal­kos­ten, die sich auf die Abwas­ser­ge­büh­ren der­je­ni­gen Bür­ger aus­wir­ken, die an sol­che erwei­ter­te Klär­an­la­gen ange­schlos­sen sind“, betont Prof. Dr. Uli Paet­zel. Der Prä­si­dent der Deut­schen Ver­ei­ni­gung für Was­ser­wirt­schaft, Abwas­ser und Abfall (DWA) fährt fort: „Die flä­chen­de­cken­de und gewäs­se­r­un­ab­hän­gi­ge Ein­füh­rung einer sol­chen vier­ten Rei­ni­gungs­stu­fe ist als End-of-Pipe-Lösung nicht sach­ge­recht und wird von uns nicht unter­stützt.“ Was­ser­res­sour­cen müs­sen so beschaf­fen sein, dass dar­aus mit natur­na­hen, ein­fa­chen Auf­be­rei­tungs­ver­fah­ren Trink­was­ser gewon­nen wer­den kann. „Von zen­tra­ler Bedeu­tung für die Sicher­heit der Trink­was­ser­ver­sor­gung sind Vor­sor­ge­maß­nah­men, die dar­auf abzie­len, dass Mikro­ver­un­rei­ni­gun­gen gar nicht erst flä­chig in den Was­ser­kreis­lauf ein­tre­ten, son­dern bereits am Ursprung ein­ge­dämmt wer­den“, erklärt Prof. Dr. Gerald Lin­ke, der Vor­stands­vor­sit­zen­de des Deut­schen Ver­eins des Gas- und Was­ser­fa­ches (DVGW).

Hier­für enga­giert sich auch das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um, das in einem soge­nann­ten Sta­ke­hol­der-Dia­log eine Spu­ren­stoff-Stra­te­gie ent­wi­ckeln will. Dabei wer­den für aus­ge­wähl­te, als rele­vant bewer­te­te Mikro­ver­un­rei­ni­gun­gen – wie zum Bei­spiel Rönt­gen­kon­trast­mit­tel – Min­de­rungs­maß­nah­men erar­bei­tet, die an den jewei­li­gen Quel­len anset­zen. Dies pas­siert an Run­den Tischen, die die Her­stel­ler der Pro­duk­te ver­ant­wor­ten, wel­che die Spu­ren­stof­fe ver­ur­sa­chen.

Kampf dem Mikroplastik

Zu den uner­wünsch­ten Stof­fen in Gewäs­sern zäh­len auch Plas­tik­par­ti­kel, die auf unter­schied­li­chem Weg ein­ge­tra­gen wer­den. Nach DWA-Anga­ben eli­mi­nie­ren Klär­an­la­gen heu­te in der Regel die zuflie­ßen­de Mikro­plas­tik­fracht zu mehr als 95 Pro­zent – aber eben nicht voll­stän­dig. Folg­lich muss der Ein­trag mög­lichst schon am Ursprung wirk­sam ver­mie­den wer­den. Bei­spiels­wei­se gibt es auf dem Umwelt­tech­no­lo­gie­markt seit kur­zem ein Fil­ter­sys­tem, das Mikro­plas­tik aus dem Ablauf von Kunst­ra­sen­plät­zen zurück­hält. Die­se welt­weit ver­brei­te­ten Sport­flä­chen gel­ten als bedeu­ten­de Quel­le für Mikro­plas­tik: 250 bis 300 kg wer­den jedes Jahr bei einem moder­nen Kunst­ra­sen­platz aus­ge­tra­gen. Bei dem neu­en Sys­tem sam­meln sich die Par­ti­kel im Lauf der Zeit an der Fil­terober­flä­che als soge­nann­ter Fil­terku­chen an. Die­ser wird nach Fir­men­an­ga­ben alle drei bis fünf Jah­re abge­schält und ent­sorgt. Das dabei mit­ent­fern­te Fil­ter­sub­strat wird wie­der auf­ge­füllt.

Sichere Wasserversorgung trotz Trockenphasen

Das ins­ge­samt aus­rei­chen­de Was­ser­dar­ge­bot in Deutsch­land ist regio­nal ungleich ver­teilt. Zwar gibt es laut Umwelt­bun­des­amt in Deutsch­land bis­her flä­chen­de­ckend kei­nen Was­ser­stress. Aller­dings führ­ten die tro­cke­nen und hei­ßen Som­mer 2018 und 2019 schon zu eini­gen loka­len Eng­päs­sen. „Soll­ten die­je­ni­gen Kli­ma­pro­gno­sen Recht behal­ten, die für die kom­men­den Jahr­zehn­te unter­schied­lich star­ke Rück­gän­ge der Was­ser­ver­füg­bar­keit in fast allen Tei­len Deutsch­lands vor­her­sa­gen, braucht es den Schul­ter­schluss von Poli­tik, Land­wirt­schaft, Indus­trie und Gesell­schaft, um gemein­sam die öffent­li­che Was­ser­ver­sor­gung zu sichern“, betont der DVGW-Vor­stands­vor­sit­zen­de Lin­ke. Gemein­sam mit den Ver­sor­gern und der Poli­tik ent­wi­ckelt sein Ver­ein kon­kre­te Initia­ti­ven für eine siche­re Was­ser­ver­sor­gung im Kli­ma­wan­del. Dazu zäh­len eine stär­ke­re Ver­net­zung der Ver­sor­ger eben­so wie die Siche­rung des Vor­ran­ges der Trink­was­ser­ver­sor­gung vor ande­ren Was­ser­nut­zun­gen.

Ein wei­te­rer Ansatz ist, das ent­nom­me­ne Was­ser so effi­zi­ent wie mög­lich zu ver­wen­den. Ein wich­ti­ges Spiel­feld für tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tio­nen ist hier das Kühl- und Brauch­was­ser von Kraft­wer­ken und Indus­trie­un­ter­neh­men. Um Ober­flä­chen­ge­wäs­ser und Grund­was­ser zu scho­nen, wird außer­dem die in der süd­eu­ro­päi­schen Land­wirt­schaft schon seit lan­gem prak­ti­zier­te Brauch­was­ser­wie­der­auf­be­rei­tung nun auch für Deutsch­land dis­ku­tiert.

IT-Sicherheitsstandard umsetzen

Die Trink­was­ser­ver­sor­gung und die Abwas­ser­be­sei­ti­gung zäh­len zur soge­nann­ten kri­ti­schen Infra­struk­tur. Das bedeu­tet, dass sie beson­de­ren Anfor­de­run­gen an die IT-Sicher­heit unter­lie­gen. Schließ­lich kann eine Stö­rung, Beein­träch­ti­gung oder gar ein Aus­fall durch einen Cyber-Angriff oder einen IT-Sicher­heits­vor­fall zu erheb­li­chen Ver­sor­gungs­eng­päs­sen, Stö­run­gen der öffent­li­chen Sicher­heit und ande­ren dra­ma­ti­schen Fol­gen füh­ren. Vor die­sem Hin­ter­grund ent­wi­ckel­ten die DWA und der DVGW einen IT-Sicher­heits­stan­dard für die Was­ser­wirt­schaft. Sie stan­den dabei in engem Aus­tausch mit dem Bun­des­amt für Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) und dem Bun­des­amt für Bevöl­ke­rungs­schutz und Kata­stro­phen­hil­fe (BBK). Im August 2017 hat das BSI die­sen Stan­dard offi­zi­ell aner­kannt. „Neben der Umset­zung von Risi­ko­ma­nage­ment­maß­nah­men haben die Anla­gen­be­trei­ber seit­her viel inves­tiert, um ihre IT-Infra­struk­tur robus­ter gegen IT-Angrif­fe aus­zu­ge­stal­ten. Hier­bei wur­de nicht nur die Soft­ware, son­dern auch die Hard­ware ver­bes­sert, bei­spiels­wei­se die Pro­zess­leit­tech­nik erneu­ert und IT-Net­ze reor­ga­ni­siert”, berich­tet DWA-Prä­si­dent Paet­zel.