Bild: Andreas Hafen
Besorgnis über Zustand der Gewässer in Deutschland

Der öko­lo­gi­sche Zustand der deut­schen Gewäs­ser ist bei 70 Pro­zent schlecht, 65 Pro­zent der Feucht­ge­biets­le­bens­räu­me sind akut bedroht, mel­det der Glo­bal Natu­re Fund. Die Stif­tung gibt zudem eine schlech­te Pro­gno­se für die Zukunft. Ein­trä­ge aus der Land­wirt­schaft und Nut­zung durch den Men­schen sind nach einer aktu­el­len Mel­dung die Haupt­ur­sa­chen des schlech­ten Gewäs­ser­zu­stands; Mikro­ver­un­rei­ni­gun­gen durch Medi­ka­men­te, Hor­mo­ne und Mikro­plas­tik bräch­ten wei­te­re Risi­ken.

Für den Gewäs­ser­schutz und die Bio­lo­gi­sche Viel­falt unter Was­ser for­dern Exper­ten mehr finan­zi­el­le Res­sour­cen und den Abbau schäd­li­cher Sub­ven­tio­nen. Zehn Jah­re nach Ver­ab­schie­dung der Natio­na­len Stra­te­gie zur Bio­lo­gi­schen Viel­falt der Bun­des­re­gie­rung gebe es für die Bio­lo­gi­sche Viel­falt am und im Was­ser kei­ne Ver­bes­se­rung: Rund 70 Pro­zent der Was­ser­kör­per wei­sen nach Daten des Umwelt­bun­des­am­tes einen mäßi­gen bis schlech­ten öko­lo­gi­schen Zustand auf und ver­feh­len damit die Zie­le der EU-Was­ser­rah­men­richtin­ie bei wei­tem.

65 Pro­zent der Lebens­räu­me (Bio­top­ty­pen) am und im Was­ser, Seen, Moo­re, Feucht­wie­sen, sind laut Roter Lis­te der gefähr­de­ten Bio­top­ty­pen in Deutsch­land akut gefähr­det bis hin zu ihrer voll­stän­di­gen Ver­nich­tung bedroht. Seen in Deutsch­land sind an Tier- und Pflan­zen­ar­ten ver­armt und öko­lo­gisch insta­bil. Wich­ti­ge Öko­sys­tem­dienst­leis­tun­gen kön­nen nicht erbracht wer­den oder sind gefähr­det. Für eini­ge die­ser Lebens­räu­me gibt es laut Glo­bal Natu­re Fund (GNF) kaum Hoff­nung auf Rege­ne­ra­ti­on - zu weit fort­ge­schrit­ten und zu fun­da­men­tal sei­en die Schä­den. Der Ein­satz von Stick­stoff­dün­gern und Pes­ti­zi­den, Hor­mo­nen und Che­mi­ka­li­en in der Land­wirt­schaft, die Ent­sor­gung von Gül­le aus der Mas­sen­tier­hal­tung auf Acker- und Grün­land­flä­chen sowie die inten­si­ve Nut­zung für Sport und wirt­schaft­li­che Zwe­cke durch den Men­schen las­sen Tie­ren und Pflan­zen im und am Was­ser kaum Platz zum Leben. Arz­nei­mit­tel, Hor­mo­ne und Plas­ti­krück­stän­de sind schon heu­te in vie­len Gewäs­sern und in der lim­ni­schen Nah­rungs­ket­te nach­weis­bar, mit stei­gen­der Ten­denz. Die mög­li­chen Fol­gen sind laut GNF heu­te noch kaum abschätz­bar.

Das Resü­mee zogen 50 Fach­leu­te und Ver­tre­ter von Umwelt- und Natur­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen aus Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz bei einer drei­tä­gi­gen Tagung in Radolf­zell am Boden­see zur aktu­el­len Situa­ti­on der Feucht­ge­bie­te. Aus unter­schied­li­chen Fach­ge­bie­ten wur­de dabei deut­lich, dass Seen und Feucht­ge­bie­te in Deutsch­land wei­ter in der Defen­si­ve sind. Wäh­rend sich der hydro­lo­gi­sche und che­mi­sche Zustand in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten durch Maß­nah­men wie den Bau von Klär­an­la­gen und das Ver­bot von Phos­phat in Wasch­mit­teln deut­lich ver­bes­sert hat, bleibt die Bio­lo­gi­sche Viel­falt das Sor­gen­kind der Gewäs­ser­ex­per­ten.